James Sallis – Stiller Zorn

Kriminalroman Stiller Zorn James Sallis Dumont Verlag

Ich weiß auch nicht, ich glaube, so kann nur James Sallis Geschichten erzählen. Schreibt wenig, sagt dabei essenziell viel. Das haut mich um. Das prägt sich tief ein. Eine ganze Welt, ein ganzes Leben bringt er in »Stiller Zorn« auf noch nicht einmal 200 Seiten unter. Und dabei hat man das Gefühl, es wurden alle Tiefen ausgelotet, alle Höhen bedacht, alles Relevante wurde gesagt, selbst das Verschwiegene ist präsent, alles Bedeutende wurde erzählt. Reduziert, schlicht und dabei so umfassend. So ist dieser Kriminalroman.

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Agatha Christie – Mord im Pfarrhaus

Agatha Christie – Mord im Pfarrhaus

Kriminalroman Miss Marple Mord im Pfarrhaus Agatha Christie Atlantik Verlag

Ein Leichenfund sorgt immer für Aufregung. Und er wirft Fragen auf. Eine der dringlichsten ist die nach dem Täter, eine der ergiebigsten die nach dem Motiv. Wenn der Dahingeschiedene sich allerdings wenig Beliebtheit erfreute, ist die Reihe an potentiellen Verdächtigen lang und die Gründe für ein gewaltsam herbeigeführtes Ableben sind zahlreich. Nur gut, wenn man dann jemanden zur Hand hat, der den Überblick behält.

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Jakob Arjouni – Happy birthday, Türke!

Kriminalroman Happy birthday, Türke! Jakob Arjouni Diogenes VerlagDiesen Kriminalroman fand ich so großartig, dass ich gar nicht weiß, wohin mit all meiner Freude. Bücher, die so richtig begeistern, sind immer etwas besonderes und »Happy birthday, Türke!« mit Worten gerecht zu werden, ist gar nicht so einfach. Wenn ein Roman es mir so richtig angetan hat, neige ich außerdem zur Glorifizierung. Aber wenn eine Geschichte, in meinen Augen, so verflixt genial erzählt wird, so rund, so zufriedenstellend in allen für mich relevanten Punkten, ja was bleibt mir da mehr, als euphorisch zu sein.

 

Privatdetektiv – like a pro

Besonders, da ich von Hause aus eine Schwäche für diese Art von Detektivromanen habe. Der hartgesottene Privatdetektiv, der sein Whiskeyglas nicht nur in einem Zug leert, sondern es auch zerkaut, hinunterschluckt, aufsteht, loszieht und seinen verdammten Fall klärt. Für diese Art von Figurenzeichnung sollte man ein wenig Begeisterungsfähigkeit mitbringen, um Freude an den Geschichten um den Frankfurter Privatdetektiv Kayankaya zu haben.

Kemal Kayankaya, 26, Privatdetektiv in Frankfurt am Main, versteht wunderbar hessisch, aber kein Wort türkisch. Da fühlen sich schon die ersten auf den Schlips getreten, türkische wie hessische Mitbürger. In Ankara geboren, ist er nach dem Tod seiner Eltern in Frankfurt am Main aufgewachsen, ein hessischer Bub durch und durch, auch wenn seine Mitmenschen in ihm nur den Türken sehen. Es gibt viele Szenen, die das Thema aufgreifen und erstaunlich wenige Menschen in diesem Buch, die ohne Schranken denken können. Bedenkt man, dass »Happy birthday, Türke« in den frühen 1980er Jahren geschrieben wurde, fällt auf, dass … ja, was eigentlich? Dass auch in den 80er Jahren Alltagsrassismus überall anzutreffen war? Dass Menschen damals auch nicht klüger waren, nicht toleranter? Aber es gibt wie immer beide Seiten, die netten und die garstigen, auch im Buch. Damals und heute.

 

Fliegende Fäuste

Und das Buch will da auch gar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger mahnen, zumindest kam es mir so nicht vor. Es bildet einfach die Realität ab, gerade was die sozialkritischen Themen angeht. Die Story selbst ist fiktiv und dabei ein absolut stimmiger Kriminalfall. Und es geht ordentlich zur Sache, ganz so, wie ich es mir bei einem Privatdetektiv-Krimi vorstelle. Es wird gepflegt ausgeteilt und eingesteckt, im Milieu ermittelt, man trifft sich in dunklen Gassen und in noch dunkleren Kneipen. Fäuste fliegen, ebenso die dicken Sprüche, und das alles mit einer klitzekleinen Prise Humor, einer Art Nonchalance.

Ganz der toughe Typ, der Kayankaya, trotz zerschlagener Nase. Zugeschwollenes Auge, Tritte in die Nieren, ach was, das macht doch nichts. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Ein Privatdetektiv auch nicht. Diese Attitüde macht für mich den Charme solcher Geschichten aus.

 

Das hat Charme

Charme hat auch die Art, wie Jakob Arjouni die Geschichte erzählt. Sehr konzentriert und doch mit ein paar Anekdoten hier und da kommt ein perfektes Lesetempo zustande, auf gerade einmal 170 Seiten entsteht eine Geschichte, die man auf 400 Seiten auch nicht besser hätte erzählen können. Es ist einfach alles drin, alles dran. Ein Privatdetektivkrimi, hard-boiled wie man es aus den USA kennt, aber dabei doch ganz verwurzelt in dem, was die damals noch deutsch-deutsche Geschichte prägte. Ein Kriminalroman mit einem starken Zeitgeist.

Jakob Arjouni hat neben zahlreichen anderen Romanen insgesamt 5 Bände der Kemal Kayankaya-Reihe geschrieben, der letzte Band „Bruder Kemal“ erschien 2012. Der Autor verstarb 2013 und hinterlässt mit seinem Werk einen der wichtigsten Wegsteine der jüngeren, deutschsprachigen Kriminalliteratur.

 

bewertung wortgestalt buchblog 5 sterneFazit: Ein wunderbares Stück Kriminalliteratur. Der Privatdetektiv Kemal Kayankaya ist mit seinen 26 Jahren noch nicht ganz so abgefuckt wie manch andere Ermittler in diesem Genre, hat aber trotzdem die nötige Tiefe und die richtige Einstellung, um als Figur zu funktionieren und zu begeistern. Ein Krimi, den man lesen sollte, wenn man sich ein umfangreiches Bild von der jüngeren, deutschsprachigen (Kriminal-)Literatur machen möchte.

Bewertung: 4,8 Punkte = 5 Sterne

Stil: 5/5 | Idee: 4/5 | Umsetzung: 5/5 | Figuren: 5/5
Plot-Entwicklung: 5/5 | Tempo: 5/5 | Tiefe: 5/5
Komplexität: 4/5 | Lesespaß: 5/5 | = 4,78 Punkte

 

 


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© Diogenes Verlag
Jakob Arjouni – Happy birthday, Türke!

Originalausgabe erschien im Buntbuch-Verlag 1985

und später 1987 im Diogenes Verlag

Taschenbuch | 176 Seiten | 9,90 EUR

Genre: Kriminalroman

Reihe: Privatdetektiv Kemal Kayankaya # 01

Schauplatz: Frankfurt am Main

Friedrich Ani – Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels

Friedrich Ani – Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels

Kriminalroman Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels Friedrich Ani Knaur Verlag

Friedrich Ani kann man als Institution des deutschsprachigen Kriminalromans bezeichnen. Seine zahlreichen Veröffentlichungen wurden vielfach mit Preisen ausgezeichnet und insbesondere die Tabor Süden-Romane haben einen ebenso hohen Bekanntheits- wie Beachtungsgrad.

Mit »Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels« liegt der vierte Band der Reihe um den Münchener Hauptkommissar Tabor Süden vor. Statt der üblichen Tätigkeit im Morddezernat, arbeitet dieser Kommissar in der Vermisstenstelle. Somit liegt hier schon der erste größere Unterschied zu den gängigen Kriminalromanen vor. Dem Leser begegnen andere Ermittlungsvorgänge, andere Fälle und andere Konflikte.

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Sara Gran – Die Stadt der Toten

Kriminalroman Die Stadt der Toten Sara Gran Knaur Verlag
Da staunt man nicht schlecht! Denkt man beim Klappentext noch an eine poppige, spritzige Privatermittlerin und esoterisch angehauchten Hokuspokus, entpuppt sich die Geschichte schnell als ein Krimi mit Tiefgang, ganz ohne Pop, dafür aber mit speziellem Pepp. Denn die Privatdetektivin und Protagonistin Claire DeWitt ist nicht niedlich und löst auch nicht hüpfend und Liedchen trällernd seichte Kriminalfälle. Claire DeWitt ist tough, zynisch und unkonventionell und das ist großartig.

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