Sara Gran – Die Stadt der Toten

Kriminalroman Die Stadt der Toten Sara Gran Knaur Verlag
Da staunt man nicht schlecht! Denkt man beim Klappentext noch an eine poppige, spritzige Privatermittlerin und esoterisch angehauchten Hokuspokus, entpuppt sich die Geschichte schnell als ein Krimi mit Tiefgang, ganz ohne Pop, dafür aber mit speziellem Pepp. Denn die Privatdetektivin und Protagonistin Claire DeWitt ist nicht niedlich und löst auch nicht hüpfend und Liedchen trällernd seichte Kriminalfälle. Claire DeWitt ist tough, zynisch und unkonventionell und das ist großartig.


Nach dem Hurrikan

Der erste Fall in dieser neuen Reihe spielt in der »Stadt der Toten«, in New Orleans. Nicht dem schönen, dem bunten New Orleans, sondern in den verwüsteten Ruinen, die Hurrikan Katrina im Sommer 2005 von der einst so prachtvollen Stadt übrig gelassen hat. Die Handlung setzt 2 Jahre nach der verheerenden Katastrophe ein und beginnt mit der Suche nach dem vermissten Staatsanwalt Vic Willing. Seit dem Hurrikan gibt es kein Lebenszeichen von ihm, seine Leiche wurde, wie bei so vielen, nie gefunden.

Sein Neffe beauftragt Claire DeWitt, die genauen Umstände seines Verschwindens aufzuklären. Was in der immer noch stark unter den Folgen der Überschwemmungen und Verwüstungen leidenden Stadt einer Mammutaufgabe gleichkommt. Claire beginnt, sich umzusehen, umzuhören und stößt dabei auf Mauern aus Wut und Hass ebenso wie aus Angst und Hoffnungslosigkeit. Und auf traurige Wahrheiten.

 

Eine Stadt und ein Krimi

Das Bild, das die Autorin von dieser zerstörten Stadt zeichnet und die düstere Stimmung der Geschichte greifen so perfekt ineinander wie zwei Zahnräder. Und man hat das Gefühl, dass dieser Krimi und diese Stadt wie füreinander bestimmt sind, dass er so in dieser Form woanders gar nicht funktionieren würde. Die Handlung nährt sich von der Dramatik dieses Ortes, ohne dabei schaulustig zu sein.

Neben dem authentischen Schauplatz lebt dieser Krimi von der ungewöhnlichen Privatdetektivin Claire. Sie ist rätselhaft, aufmerksam und irgendwie abgebrüht ohne abgeklärt zu sein. Sie ist feinsinnig und eigentlich weiß man gar nicht so genau, was sie da treibt, wenn sie ihren Hinweisen nachgeht. Bis sich dann der Kreis schließt und alles fügt.

 

Stilsicher und facettenreich

Dies war auch die einzige Schwierigkeit an dem Buch. Ich stand zu Beginn der Story eine ganze Weile ratlos da, wusste nicht, wer diese Claire ist und was sie antreibt. Im Laufe der Geschichte wird das alles geklärt und man bekommt neben der Haupthandlung auch immer wieder Bruchstücke aus Claire DeWitts Vergangenheit erzählt, die einem diese Figur näher bringen und verständlich machen. So rückt die anfangs noch unergründliche Privatdetektivin heraus aus ihrer Unnahbarkeit und wird zu einer Protagonistin mit viel Tiefe.

Wer den etwas schwierigen Einstieg überstanden hat, kann sich auf einen anspruchsvollen Krimi mit facettenreichen Charakteren und einer stilsicheren Sprache freuen.

 

bewertung wortgestalt buchblog 5 sterne

Fazit: Ein bisschen »noir« ohne nur schwarz zu sein, ein bisschen »pulp« ohne schrottig zu sein. Vielleicht ja »new noir«. Aber auf jeden Fall ein außergewöhnlicher Krimi, sehr lesenswert und fernab vom Mainstream.

Bewertung: 4,6 Punkte = 5 Sterne

Stil: 5/5 | Idee: 4/5 | Umsetzung: 5/5 | Figuren: 5/5
Plot-Entwicklung: 4/5 | Tempo: 4/5 | Tiefe: 5/5
Komplexität: 4/5 | Lesespaß: 5/5 | Ø 4,56 Punkte

 

 

 


sara gran die stadt der toten buchcover
© Knaur Verlag
Sara Gran – Die Stadt der Toten

Originalausgabe:

»Claire DeWitt And The City Of The Dead« (2011)

aus dem Amerikanischen übersetzt von Eva Bonné

Diese Ausgabe:

Oktober 2013 im Knaur Verlag

Taschenbuch | 368 Seiten | 9,99 EUR

Genre: Kriminalroman / Noir

Reihe: Claire DeWitt #1

Schauplatz: USA (New Orleans)

 

7 Kommentare zu “Sara Gran – Die Stadt der Toten

  • 20. Februar 2014 at 12:07
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    Es war auf jeden Fall mal etwas anderes und ist in meinen Augen echt lesenswert 🙂

    Danke, Line!! Liebe Grüße, Philly 🙂

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  • 5. November 2014 at 16:00
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    Ich bin SO froh das du bei dieser Aktion mitgemacht hast, denn andernfalls wäre ich gar nicht auf dieses Buch aufmerksam geworden. O.O
    Gerade wie Clair tickt (trotz des anfänglichen wirrwars) spricht mich als Krimi/Thriller Leser extrem an. Und ich dachte erst, dass es sich um ein Zombiebuch handeln würde. xD *Das Cover ist schuld*
    Egal, nachdem ich mir wegen dir Blutsommer gekauft habe *es wartet Daheim auf mich aka ich kanne es erst nächstes Wochenende in den Händen halten* muss das wohl auch noch her. Danke dir Liebes. *oder auch nicht?! ^^*

    ~ Jack

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  • 5. November 2014 at 21:41
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    Ja, abwarten, mein Lieber, am Ende haust Du mir das Buch um die Ohren! 😀 ;D Was auch völlig ok wäre!! 😀

    Ist schon eine ungewöhnliche Ermittlerin und auch ein ungewöhnlicher Krimi, weil er nicht den übliche Mustern folgt, sondern irgendwie schräg und clever mit seinen Figuren umgeht. Mochte ich sehr. Weil anders. Anders ist immer gut! ♥

    "Blutsommer"? Jetzt bringst Du mich ins Grübeln, also weil ich da keine Rezension zu verfasst habe, da war doch eher unsere Steffi die große Verfechterin. Was ich aber absolut verstehe :D, ich fand das Buch auch echt gut, aber ich hatte mich ja erst damit anfreunden müssen. Anfangs war es mir in seiner Figurenzeichnung etwas zu bemüht, aber nachdem ich das überwunden hatte, war mir das Buch echt ein vergnügliches Leseerlebnis! 😀 Also definitiv ein lohnender Kauf, hast Du gut gemacht! Jetzt noch lesen und dann gibt es wieder eine Runde Kekse! 😀

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  • 6. November 2014 at 9:20
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    *Mein rot angelaufnes Gesicht verbergen tu*

    GOTT dann war es Sterffi?!?!?!?!?! Wieso hab ich euch da so stark verwechselt O.O? *Bin ich wieder zu verpeilt und fokussiert auf dich gewesen um das zu verwechseln ^^?!*
    *Kekse von Philly —> Bester Köder damit ichs gleich lesen werde ^^*

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  • 6. November 2014 at 14:52
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    MIt Steffi verwechselt zu werden, ist ja ein Kompliment, also insofern, merci! 😀 Aber da ich mich nicht mit fremden Federn schmücken wollte, hab ich das kurz korrigiert, Ehre wem Ehre gebührt, nicht? 😀 Aber da wir das Buch ja in einer der SuB Thrill Kill-Leserunden gelesen haben, kann es schon mal vorkommen, dass da was durcheinander wuselt! Armer, verwirrter Jack, wie soll man da auch durchblicken? *tätschel und noch mehr keske reich*

    PS: Internet-Kauderwelsch ist meine zweite Muttersprache, das passt schon, ich versteh dich trotzdem! 😀

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