Bernhard Aichner – Totenfrau

Thriller Totenfrau Bernhard Aichner btb Verlag

Man könnte bei diesem Thriller die provokante These aufstellen, dass man ihn entweder lieben oder hassen wird. Weniger den Thriller an sich, aber doch den Stil den Autors Bernhard Aichner. Den muss man mögen. Und ich mag ihn. Ja, ich finde ihn sogar großartig. Weil er eigenständig ist und aus der Masse heraussticht. Erfreulich unkonventionell vermittelt er auf einer ganz subtilen Ebene Emotionen. Das ist in jedem Fall speziell. Das muss man wirklich mögen. Ich würde ja gerne einen Vergleich anbringen, einen Tipp ähnlich »Wer das mochte, wird auch dies hier mögen«, aber ich kenne bisher nichts vergleichbares.

 

Brünhilde Blum

»Totenfrau« erzählt die Geschichte von Blum. Mitte 30, Mutter, Bestatterin, Witwe. Der Tod gehört auf vielerlei Arten zu ihrem Leben, bekommt jedoch an dem Tag, an dem ihr Mann stirbt eine völlig neue Gewichtung. Unfalltod, Fahrerflucht, Blum glaubt zunächst an einen schrecklichen Zufall, als ihr Mann kurz nach dem Verlassen des eigenen Grundstücks auf dem Motorrad von einem Wagen erfasst und überfahren wird. Doch schon bald entdeckt Blum Tonbandaufzeichnungen, die vieles in Frage stellen. Und während ihr mühsam errichteter Schutzkokon einer heilen Familienidylle mit dem Tod ihres Mannes zerbricht, erhebt sich Blums Alter Ego und sinnt auf Rache.

Und aus diesem recht gängigen Rache-Motiv kreiert Bernhard Aichner mit einem ungewöhnlichen Stil und einer ungewöhnlichen Protagonistin einen ebenso ungewöhnlichen Thriller. Der Plot selbst ist dabei nicht neu, auch die Figuren erfüllen die ihnen zugedachten Rollen erwartungsgemäß, wir haben typische Täter, einen typischen Handlungsverlauf. Aber einen alles andere als typischen Erzählstil.

 

Stil und Wirkung

Stakkatohaft, hämmernd und treibend reiht Autor Bernhard Aichner kurze Sätze wie Gedankenfetzen, wie Geistesblitze aneinander und legt ein Tempo vor, bei dem man sich direkt außer Atem liest. Die knappen Ausführungen schaffen es dennoch, eine Unmenge bedrückender und beklemmender Emotionen zu vermitteln, sie schaffen eine ganz eigene Atmosphäre beim Lesen.

Stil und Hauptfigur unterstützen sich dabei gegenseitig und formen ein stimmiges Bild, mit einer anderen Sprache hätte man der Figur Blum gar kein Leben einhauchen können, hätte sie kaum so wirkungsvoll darstellen können.

Weder Blum noch der Thriller werben um die Gunst des Lesers, sie sind kompromisslos, reflektieren nicht, erklären nicht, sie sind einfach da, verstörend, schnell, schön.

 

bewertung wortgestalt buchblog 5 sterneFazit: Kompromisslos, provokativ, subtil. Eigenwillige Thriller-Kunst, die begeistern kann. Aichner erzählt und schreibt so extravagant, dass es dafür von mir 5 Sterne gibt.

Bewertung: 4,4 Punkte = 5 Sterne

Stil: 5/5 | Idee: 4/5 | Umsetzung: 5/5 | Figuren: 5/5
Plot-Entwicklung: 4/5 | Tempo: 5/5 | Tiefe: 3/5
Komplexität: 4/5 | Lesespaß: 5/5 | = 4,44 Punkte

 

 

 


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© btb Verlag

Bernhard Aichner – Totenfrau

Originalausgabe

März 2014 im btb Verlag

Hardcover | 448 Seiten | 19,99 EUR

Genre: Thriller

Schauplatz: Innsbruck / Österreich

Reihe: Totenfrau-Trilogie #1

 

29 Kommentare zu “Bernhard Aichner – Totenfrau

  • 27. März 2014 at 13:12
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    Hallo!
    Bei dir ist der Thriller ja sehr gut wegekommen. Bei mir gab's nur eine drei Sterne-Bewertung, obwohl ich auch den Stil wie du sehr gut fand. Mal was anderes, eine schöne Abwechslung.
    Aber die Charakterisierung fand ich armselig, sehr unglaubwürdig und auch den Aufbau viel zu durchschaubar und zu einfach. Wie gesagt, den Stil fand ich auch gut, aber leider nicht mehr.
    Viele liebe Grüße dir und noch eine schöne Lesewoche! Iris

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  • 27. März 2014 at 13:36
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    Es ist in meinem Fall tatsächlich dieser gewagte Schreibstil, der das Buch so besonders gemacht hat. 4 Sterne gibt es immer, wenn ein Buch mir richtig gut gefallen hat, 5 Sterne dann für irgendetwas ungewöhnliches, so wie hier der Stil.
    Habe ja erwähnt, dass die Thriller-Handlung selbst recht gewöhnlich ist. Aber ich empfinde es fast schon als Kunst, aus diesem ganz normalen Stoff, ja im Prinzip aus einer total stumpfen Handlung, mit so einem Schreibstil ein Buch zu rocken. 🙂
    Die Handlung ist ja fast schon nebensächlich geworden, es ist diese Kunstfigur Blum, die nur durch diesen Schreibstil funktioniert.
    Armselig würde ich die Charakterisierung nicht gerade nennen, es gibt vielmehr keine, das ist aber, galube ich, Absicht. Der Autor überlässt das dem Leser selbst. Das meinte ich quasi, als ich oben schrieb, dass der Autor nicht um die Gunst des Lesers wirbt und dass nichts reflektiert wird. Man bekommt das quasi vor den Latz geknallt als Leser. Das provokante daran gefällt mir.
    Unglaubwürdig ist mindestens die Autobahnfahrt auf dem Motorrad, bei 160 Stundenkilometern (ich meine, mich dunkel an diese Zahl zu erinnern) ohne Helm, der Wind macht da lustige Sachen mit der Haut, das könnte schmerzhaft werden.. ^^

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  • 27. März 2014 at 17:55
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    Iiiiiieh, eine positive Meinung und dann auch noch volle Punktzahl und dir folge ich?
    Tssss….

    😀
    Sagst es ja selbst: Entweder man liebt ihn oder hasst ihn, diesen Schreibstil.
    War aber trotzdem überrascht, dass dich die Figurengestaltung nicht so arg störte.
    Hast aber ja oben erklärt, wieso & weshalb.

    Grüße 🙂

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  • 27. März 2014 at 19:19
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    *lach*

    Ja, der Stil hat bei mir ins Schwarze getroffen. Überhaupt das ganze Konstrukt hat so ne eigene Attitüde, die mich anspricht. Die Figurenkonstellation opfere ich hier quasi der "Kunst", ich unterstelle dem Autor da einfach mal die Zwecksmäßigkeit, durch so eine starke Reduzierung einen bestimmten Effekt erzielen zu wollen. Und wie ich vorher auf dem Blog von Iris schon meinte, ist ja Blum quasi die personifizierte Persönlichkeitsstörung schlechthin und somit als Soziopathin in einem Thriller völlig losgelöst von rationalen Entscheidungen.

    Ist aber cool, wie sich an dem Buch die Geister scheiden!! 😀

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  • 27. März 2014 at 23:53
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    Huhu,

    ist ja krass wie kontrovers das Buch ankommt. Eigentlich mag ich sowas dann ja auch immer lesen um zu schauen, wo ich mich da wiederfinde, aber ich habe ja noch so eine riesige Wunschliste. Naja irgendwann mal….

    Liebe Grüße, Julia

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  • 28. März 2014 at 10:38
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    Schau am besten mal in die Leseprobe, da bekommst Du wahrscheinlich recht schnell ein Gefühl dafür, och Du gleich weiterlesen willst oder ob es doch lieber ganz nach unten auf die Wunschliste komme! 😉

    Obwohl ich dieses Buch mochte, kann ich es nur schwer empfehlen, weil es eben sehr eigenwillig ist. Für mich war es ein Fest, aber das ist es sicher nicht für jeden. ^^

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  • 5. April 2014 at 0:05
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    Tolle und informative Rezi!
    Ich werde es demnächst lesen – ich freue mich schon besonders auf dieses Buch weil es einfach in Österreich spielt *hihi*
    Soo ich hab mich jetzt gerade fertig durch deine ganzen Post gelesen und ich muss es schnell loswerden – supii ich mag wirklich deinen Schreibstil!!
    Liebe Grüße
    Jeanne

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  • 5. April 2014 at 13:39
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    Ui, danke, danke, danke!! Das freut mich total, ehrlich!! 😀

    Bei "Totenfrau" gab es ja so unterschiedliche Reaktionen von den Lesern, bin schon sehr gespannt, wie deine Meinung ausfallen wird, wünsch Dir aber ganz ganz viel Spaß mit dem Buch!!

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  • 5. April 2014 at 22:02
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    Ja auf LB gehen die Meinung auch deutlich auseinander! Ich kann dir gerne bescheid geben, wenn ich meine Rezi geschrieben habe 😉 Aaah ich hoffe es kommt bald!!
    Liebe Grüße
    Jeanne

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  • 6. April 2014 at 22:23
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    Ich lese bei der Leserunde immer mal die Beiträge mit, weil es mich sehr interessiert und folge der Leserunde auch, da bekomme ich dann auch immer die Updates!

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  • 26. April 2014 at 11:30
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    Und nochmal hier:

    Ich schleiche seit heute Morgen hier rum, meine Augen haben aber bis jetzt nur die 5 Sterne erblickt. ^^ Ich muss die Rezension erst fertig schreiben, DANN kann ich deine endlich lesen. ALLERDINGS! PHILLY! Bitte sag mir, ob du die Auflösung des Clowns für angebracht gehalten hast?!

    Liebe Grüße
    ~ Jack T.R.

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  • 26. April 2014 at 11:41
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    Hehe, ja, das kenne ich! 😉

    Hm, der Clown? *grübel* Also es hat mich nicht sonderlich überrrascht, sagen wir mal so. Du hättest Dir was anderes gewünscht?

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  • 26. April 2014 at 12:14
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    ^^

    Jaaa es war irgendwie…so…seltsam unpassend.
    Irgendwie…diese Auflösung hat meine komplette Begeisterung verjagt.Ich muss das mal n paar Tage sacken lassen…Allerdings fand ichs bis dahin genial. 😀
    Danke für die Antwort.

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  • 26. April 2014 at 12:41
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    Hm, ja, ich kann, glaube ich, nachvollziehen, was Du meinst. Mir kam die Motivation letztlich ganz glaubhaft vor, ist ja auch ein kranker, gruseliger Typ, der Clown. Ich habe durch den Stil die Handlung auch ein klein wenig zweitrangig betrachtet, also das klingt jetzt schlimmer, als ich es meine, aber für mich war die Handlung nur die Bühne, auf der der Stil sein Kunststück vollführen konnte.

    Die ganze Idee ist ja auch nicht so komplex: die 5 Typen mit ihrer Maskerade werden ja schön der Reihe nach durch leicht konstruierte Zufälle von Blum identifiziert, einen Blumentopf gewinnt man damit vielleicht nicht, gerade bei Leuten, die viele Thriller lesen. Aber die Erzählweise erwischt einen halt voll.

    Hach, ja das ist blöd, wenn einem die Auflösung das Buch vermurkst! Mich hat der Autor mit seinem Stil ja gekonnt von kleinen Handlungsstörfaktoren abgelenkt! 😉

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  • 26. April 2014 at 14:06
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    Da gebe ich dir zu 100% recht. Gerade dieser mutige Schritt mit solch einem Erzähl – und Schreibstil ein komplettes Buch zu füllen verdient alleine schon von mir als Leser einen lautstarken Applaus.

    Und das der "Fall" nicht so komplex und tiefgründig wie bei anderen Thrillern war, machte mir nichts aus, weil du ja eben auch bereits gesagt hattest, dass der Stil hier die Hauptshow ist. Dennoch…diese Sache mit dem Clown, die kann ich momentan schwer verdauen. Diesen einen Fehler, so etwas offensichtlich und nicht nachvollziehbares mit beizumischen. Aber ich warte ab und schau, was sich beim Rezensionstippseln doch noch ergibt. 😀

    Da kann sich die Meinung ja noch mal ändern oder endgültig festigen. Danke für den Austausch. Ist mir wie immer ein Vergnügen. ^.^

    Reply
  • 30. April 2014 at 9:07
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    So jetzt konnte ich ja endlich reinlesen. 😀
    Und *Was ein Wunder* ich gebe dir bei allem recht. ^^ Besonders das man es lieben oder hassen wird (was die Amazon Rezensionen deutlich aufzeigen) – und ich bin froh, auf deiner Seite zu stehen. 😉 Die Leute sind einfach schwer für Neues zu begeistern, dabei meckern gerade die immer, dass sie immer das selbe zum Lesen vorgelegt bekommen. ^^ Aber wenn Autor wie Aichner sich dann mal was Neues wagt, wirds in Grund und Boden kritisiert. *Versteht einer die Menschen!!*

    SCHÖNE REZENSION – wie immer. 😀

    Reply
  • 30. April 2014 at 11:16
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    Ich danke Dir!! 😀 Nun bin ich aber auch echt gespannt auf deine Rezension! Freut mich aber auch, dass das Buch bei Dir gut ankam, das finde ich richtig gut!! 🙂 Für mich ist das Buch stilistisch dieses Jahr ganz weit vorne, hab mir auch schon ein älteres Buch von Aichner bestellt! 😉

    Ja, das Buch ist einfach absolut Geschmackssache. So würde ich mir Tarantino vorstellen, wenn er ein Buch schreiben würde anstatt nen Film zu machen! 😀

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  • 11. Mai 2014 at 14:40
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    Endlich hab ich das Buch gelesen und kann nun auch deine Rezension kommentieren. Gibt es hier etwas, wo ich deine Worte unterschreiben kann? Das Buch ist wirklich so eines, das entweder gefällt oder nicht und bei mir hat es vollkommen ins Schwarze getroffen.Kann deiner Rezension also nur zustimmen. Hab es quasi an einem Tag gelesen und muss wirklich was heißen. 🙂

    Liebe Grüße
    Petzi

    Reply
  • 11. Mai 2014 at 18:42
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    Danke! Das freut mich!! 🙂 Als ich bei goodreads heute vormittag gesehen habe, dass Du das Buch gerade liest, war ich schon ganz doll neugierig, wie deine Meinung dazu ausfallen wird!!! 😀 Umso genialer zu lesen, dass es Dich auch auf dem richtigen Fuss erwischt hat! Der Stil ist aber auch ein Ding für sich, sehr großartig!!

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  • 14. Juni 2014 at 19:12
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    So, ich habe jetzt endlich mal Zeit deinen Blog ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Und ich werde überall Kommentare verstecken, wie Ostereier.
    Ich fange hier mal an. Ich freue mich nämlich gerade sehr, dass dir das Buch gefallen hat. In letzter Zeit begegne ich eher Leuten, die "Totenfrau" eher ablehnend gegenüber stehen, weil ihnen Aichners Schreibstil und seine Art Dialoge zu schreiben nicht gefällt.
    Das Buch ist bei mir Anfang März eingezogen – signiert und auf dem Regalbrett mit meinen Lieblingsbüchern. =)
    m

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  • 15. Juni 2014 at 11:10
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    Da freu ich mich, mach mich gleich mal auf die Suche! 😉

    Ja das stimmt, bei "Totenfrau" gehen die Meinungen echt auseinander, spannend! 😀 Ich mochte diese ganz eigene Note sehr, kann aber auch gut verstehen, dass es nicht jedermanns Ding ist!

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  • 8. Dezember 2014 at 20:52
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    Wenn ich deine Rezi schon in meinem morgen erscheinenden Beitrag hoch lobe, dann sollte ich doch auch mal hier ein paar Worte fallen lassen, denn schließlich habe ich das Buch dieser Rezi zu verdanken!
    Ich bin mega gespannt auf das Buch und werde es definitiv im Januar lesen! Sobald ich es gelesen habe, werde ich mir deine Rezi erneut durchlesen und bin gespannt in welchen Punkten wir einer Meinung sind!

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  • 9. Dezember 2014 at 10:54
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    Ich glaube, ich muss weg… 😀 ;D

    Hach, ich mag das Buch auch einfach immer noch super gern und mein Bücher-Ich ist da auch immer noch ein bisschen verliebt in den Text, bin aber ich auch irre gespannt, wie dein Fazit aussehen wird, denn das Buch war ja nicht jedermanns Sache. Berichte mir, wie es mit Dir und der Totenfrau ausgegangen ist! 😀

    Nächsten Herbst kommt dann auch endlich Band 2!! 😀

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