Ross Thomas – Umweg zur Hölle

Thriller Umweg zur Hölle Ross Thomas Alexander Verlag BerlinIn den etwas härteren Kriminalromanen mimt nicht selten ein rauer, einsamer Wolf die Hauptfigur. Und das lese ich richtig gern. Ein einsilbiger Typ, raue Schale, rauer Kern, lakonisch in Wort und Tat und mit großer Gelassenheit verlassen von der Welt. Coole Sache.

Besser kann es dann eigentlich nur noch werden, wenn eine Geschichte plötzlich mit zwei von diesen Typen aufwartet, wie im vorliegenden »Umweg zur Hölle«. Da gibt es nämlich Artie Wu und Quincy Durant und ja, das, was die beiden haben, würde heutzutage als echte Bromance durchgehen.

 

Am Strand von Malibu

Es geht an die Westküste der USA, Malibu, Kalifornien Mitte der 1970er Jahre. Und es beginnt mit einem toten Pelikan. Der Aufhänger ist so schön, man hätte den ganzen Roman danach benennen können. Da joggt also Arthur Case Wu, ein an Körpergröße und Körperumfang sehr stattlicher Chinese, jeden Morgen am Strand von Malibu. Und stolpert doch tatsächlich an diesem einen Tag im Juni über einen toten Pelikan. Während Artie fällt und sich nur denkt »Scheiße«, sieht ein Spaziergänger ihn fallen und denkt sich »Da fällt der dicke Chinese«.

Aufmerksam wie der Spaziergänger ist, der jeden Morgen am Strand von Malibu mit seinen sechs Windhunden Gassi geht und übrigens Randall Piers heißt, eilt er dem gestürzten Artie Wu zu Hilfe und geleitet ihn und seinen verstauchten Knöchel in das nahegelegene Strandhaus von Arties Partner Quincy Durant. Quincy ist ein langer, magerer Typ, braungebrannt, aber ohne Sunnyboy-Faktor. Und dann kann die Show auch schon beginnen.

 

Krumme Geschäfte

Es entspinnt sich ein perfekter Gauner- und Ganoven-Thriller/Krimi mit vielen krummen Geschäften, dubiosen Gestalten, der Mafia und der CIA, Politikern, Folk-Sängerinnen, Korruption und dem ein oder anderen Auftragsmord. Großes Kino.

Herausragend waren für mich in »Umweg zur Hölle« die Komplexität des Plots und die Figurenzeichnung. Beide sind so voller Feinheiten, Verstrickungen und Verbindungen erzählt, dass es ein wahres Fest ist. Ich konnte die Handlung nie weiter als bis zum nächsten Absatz durchschauen. Es sind viele kleine Rädchen, die das Getriebe dieser Geschichte am Laufen halten und jedes einzelne scheint mit der Präzision eines Schweizer Uhrmachers gefertigt zu sein. Man darf sich ruhig jeden einzelnen Namen der zahlreichen Figuren merken, die im Laufe der Handlung auftauchen, jeder könnte später noch die eine entscheidende Rolle spielen.

 

Drahtzieher und Marionetten

Auch sprachlich ist Ross Thomas Roman ein schieres Vergnügen, die Dialoge sind lakonisch und pointiert, der Erzähltext passt dafür gerne auch mal kleine Details ab, sodass die Figuren mit kurzen und sorgfältig ausgewählten Anekdoten bestückt werden, die auch mal ein Schmunzeln provozieren. Und alles, was in diesem Roman vor sich geht, geschieht mit einer lässig-entspannten Attitüde, keiner dreht durch, na ja, kaum einer, doch alle haben ihre feste Rolle und erfüllen diese erhobenen Hauptes. Nicht zuletzt, weil sie sich oftmals für Drahtzieher halten, obwohl sie nur Marionetten sind.

In dieser Geschichte, in der es um viel Geld und Macht, aber auch um persönliche Motive geht, wird unendlich viel getrickst. Dieses Konstrukt ist dem Autor so gut gelungen, dass sich der Leser nie sicher sein kann, wer hier noch mit offenen Karten spielt.

 

bewertung wortgestalt buchblog 5 sterne

Fazit: Es ist diese Mischung aus lässigem Humor und raffinierter Intelligenz, die den ersten Fall von Artie Wu und Quincy Durant auszeichnet. Der komplexe Plot und die phänomenale Figurenzeichnung machen »Umweg zur Hölle« zu einem Ganoven-Thriller mit einem ausgebufften Pokerface.

Bewertung: 4,6 Punkte = 5 Sterne

Stil: 5/5 | Idee: 5/5 | Umsetzung: 4/5 | Figuren: 5/5
Plot-Entwicklung: 5/5 | Tempo: 4/5 | Tiefe: 4/5
Komplexität: 5/5 | Lesespaß: 4/5 | = 4,56 Punkte

 

 

 

 


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© Alexander Verlag Berlin
Ross Thomas – Umweg zur Hölle

Originalausgabe »Chinaman’s Chance« (1978)

übersetzt aus dem Amerikanischen von Edith Massmann

März 2007 im Alexander Verlag Berlin (Neuausgabe)

Taschenbuch | 424 Seiten | 14,90 EUR

Genre: Thriller

Reihe: Artie Wu und Quincy Durant #1

Schauplatz: USA / Kalifornien

 

6 Kommentare zu “Ross Thomas – Umweg zur Hölle

  • 7. Februar 2016 at 16:30
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    Rate mal, welches Buch ich soeben auf meine Wunschliste gesetzt habe 😉

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  • 7. Februar 2016 at 19:47
    Permalink

    KLingt richtig gut 🙂
    Aber diesen MOnats nicht mehr – vielleicht wenn ich unbekanntere Amerikaner rannehme XD

    Reply
  • 7. Februar 2016 at 23:06
    Permalink

    Absolut! Was bin ich froh, dass man sich bei diesem Autor mit jeder Menge Büchern eindecken kann! 😀

    Wobei, "unbekannt" ist in dem Fall sehr subjektiv, Thomas gehört zu DEN amerikanischen Kriminalschriftstellern und zählt auch bei Krimimenschen zu den großen Nummern. Nur war das eben vor unserer Zeit! 😀 Also unbekannt höchstens für unsere Generation. Gilt eh, die ganzen Altmeister zu entdecken, zum Glück werden die gerade wieder vielfach aufgelegt! Unsere Chance, auch was vom Kuchen zu kosten, hehehe. ;D

    Reply
  • 8. Februar 2016 at 16:58
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    Dann müsst ich wohl sagen "für usn unbekanntere" Autoren 😀
    Die sich in den Ecken verstecken und so laaaangsam von den Verlagen wieder abgestaubt werden!
    Und Kuchen ist immer gut XD

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