Einzlkind – Billy

»Billy« ist nach »Harold« der zweite Roman, den ich von dem Autor Einzlkind lese. Dazwischen liegt noch die Veröffentlichung von »Gretchen«, die ich aber irgendwie übergangen habe.

Einzlkind ist das Pseudonym eines vermutlich deutschsprachigen Autors, der vermutlich oder auch nicht im Verlagswesen tätig ist, vermutlich oder auch nicht Journalist ist oder eben beides oder gar nichts davon. Man weiß es nicht. Also irgendjemand sicherlich, aber nicht ich. Und in diesem Fall ist es mir auch völlig wurscht. Die Romane haben eine Attitüde, die ganz wunderbar zu so einem Zirkus passt.

 

Tiefenentspannt

Die ist nämlich irgendwo zwischen extravagant und tiefenentspannt angesiedelt und spiegelt sich sowohl in der Erzählweise als auch in der Figurengestaltung wieder. So ist »Billy« ein sehr kurzweiliger Roman, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Er kratzt hier und da an ein paar moralischen Grundfragen, ohne sie jedoch ergründen zu wollen und hat in eben dieser tiefenentspannten Attitüde eine Gelassenheit, die ich sehr charmant fand.

Erzählt wird die Geschichte von Billy, ein Schotte, der bei seinem Onkel Seamus und seiner Tante Livi aufwuchs und dort das Philosophieren und das Töten lernte. Das Familienunternehmen hat sich auf Auftragsmorde spezialisiert, damit das ganze aber dem Leser etwas sympathischer erscheint, werden selbstverständlich nur Mörder ermordet. Damit das aber wiederum nicht zu sehr ins Klischee abrutscht, gibt es noch den Philosophie-Bonus und so tötet die Familie nicht aus einer moralisch überlegenen Position, sondern schlicht aus einer Kausalität heraus, Aktion und Reaktion, quasi eine Konsequenz, eine Notwendigkeit und nicht zuletzt eine Dienstleistung.

 

Verschroben

Billy geht seinem Job seit inzwischen 12 Jahren nach, 12 Morde waren es in dieser Zeit. Einer dieser sorgt nun für den Plot in diesem Roman und der baut sich aus Billys Besuch in Las Vegas bei seinem Freund und Mitarbeiter Whip auf und wird in Rückblenden Billys Leben rekapitulieren. Standesgemäß ist der Aufenthalt in Las Vegas von Begegnungen mit allerlei verschrobenen Persönlichkeiten geprägt, es gibt Bingo und Poker, viel Vegas-Wüsten-Charme und ein konsequentes Finale. Zudem mag ich die Art, wie der Autor seine Figuren denken lässt. Alles in allem ein wenig spleenig und irgendwie drollig.

 

Fazit: Verschrobene Figurenbegegnungen, ein Leben im Rückblick erzählt, ein Schotte, der Killer und Hobby-Philosoph ist – »Billy« unterhält gleichzeitig kurzweilig und findig, ich fand es sehr angenehm.

Bewertung: 3.9 Punkte = 4 Sterne

Stil: 4/5 | Idee: 3/5 | Umsetzung: 5/5 | Figuren: 5/5
Plot-Entwicklung: 4/5 | Tempo: 4/5 | Tiefe: 3/5
Komplexität: 3/5 | Lesespaß: 4/5 | = 3.9/5.0

 


© Suhrkamp Verlag
Einzlkind – Billy

Originalausgabe im Insel Verlag, 2015

März 2017 bei Suhrkamp

Taschenbuch | 203 Seiten | 10,00 EUR

Genre: Roman, Thriller

Reihe: Einzelband

Schauplatz: USA / Schottland

 

 


Weitere interessante Beiträge zum Buch gibt es unter anderem bei:

Literaturkritik.de»… Einzlkind ist ein verblüffender, intelligenter und sehr wandlungsfähiger Autor …«

Lottekind»… umspielt von den charmant-bizarren Figuren und mitgerissen von dem trockenen Humor …«

Literaturen»Ein federleichter Roman, der vorüberzieht und trotzdem er so bemüht „crazy“ daherkommt, keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.«

3 Kommentare zu “Einzlkind – Billy

  • 8. Mai 2017 at 22:43
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    Das Buch hab ich mir am Samstag in der Buchhandlung geschnappt. Ich hab nämlich gesehen, dass Du das liest und da kann man dann beim nachkaufen fast nix falsch machen.
    Das Witzigste war dann aber die Frau an der Kasse: „Ach, gibt es das schon als Taschenbuch?“ Ehm… was sagt man da? Nein,nein, das hab ich grad im Untergeschoss frisch gedruckt? Nein, ich hab nur einen anderen Einband geklaut, damit es günstiger wird? Nein, nein, das hab ich mitgebracht und weil ich nicht möchte, dass man mir vorwirft, ich würde klauen, zahl ich einfach nochmal. Ehrlich – auf manche Fragen gibt es keine sinnvollen Antworten… aber die Frau an der Kasse hat es nach ein paar Sekunden auch bemerkt.

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    • 9. Mai 2017 at 11:23
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      XD Ich hätte auch nicht gewusst, wie ich reagieren soll in diesem Moment. Das Buch ist übrigens wirklich was feines :3

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    • 10. Mai 2017 at 8:04
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      @Christina: Ach ich denke mal, das war nur eine rhetorische Frage, ein Ausspruch der Überraschung. Geht mir auch ab und an so, dass ich das zu einer Freundin sage, wenn wir im Buchladen herumschauen und man dann überrascht feststellt, dass ein Titel auch endlich als Taschenbuch erschienen ist. Ich erlebe das auch relativ häufig an der Kasse, dass die Verkäuferin oder der Verkäufer zu einem Produkt, das ich kaufe, etwas kommentiert, entweder im Buchladen in dieser Taschenbuch-Situation oder auch im Supermarkt, wenn es wieder eine neue Duplo-Sorte gibt. Da antworte ich dann universal einfach mit „Ja, klasse, oder?“ und freu mich auch. Ist doch nett, wenn der Kontakt über ein „39,99 EUR, bitte.“ hinausgeht. 😉

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