Greg Rucka und Nicola Scott – Black Magick #1

Dieser neue Comicband hat es mir angetan. »Black Magick, Band 1: Das Erwachen« hat etwas, wonach ich immer wieder suche, es aber nicht allzu oft finde. Eine erwachsene Art, Magie und Mystisches mit einer Kriminalhandlung zu verbinden.

Zwar dominiert in diesem ersten Band noch meine Faszination für die Zeichnungen über der Sympathie für die Handlung, aber das nur marginal. »Black Magick« ist ein aussichtsreicher Auftakt einer vielversprechenden Serie.

 

Detective Black

Autor Greg Rucka (»Lazarus«, »Gotham Central«, »Wonder Woman«) und Zeichnerin Nicola Scott (»Erde 2«, »Wonder Woman«) setzen hier eine Geschichte um, die gleichwertig mit den Elementen des Thriller- und Urban-Fantasy-Genres arbeitet.

Im Mittelpunkt der Story steht Rowan Black, sie ist Detective beim Portsmouth Police Department und eine Hexe. Letzteres weiß niemand aus der Mitglieder ihres Zirkels und dort sind alle um Diskretion bemüht, keiner will sich der Ächtung der Öffentlichkeit aussetzen. Die Jahrhunderte der Hexenverfolgung haben ihre Spuren hinterlassen.

Bei einem Einsatz in einem Diner sieht sich Rowan dann aber unvermittelt mit ihrer verborgenen Identität konfrontiert. Ein bewaffneter Mann nimmt die Gäste und Angestellten als Geiseln und verlangt ausdrücklich nach einem Gespräch mit ihr.

 

Präludium

Es folgt, ausgehend von dieser Geiselnahme und den dadurch in Gang gesetzten Ereignissen, auf insgesamt 131 Seiten eine Art Präludium. Die Geschichte wird eingeleitet, ihr wird der Weg bereitet. Der Leser bekommt einen Eindruck davon, welche Rolle die Magie in dieser Reihe spielen und in welchen Dimensionen sie sich darstellen wird. Es gibt Sequenzen von der Zusammenkunft des Hexenzirkels, beim Anbringen von Schutzzaubern oder während einer Dämonenbeschwörung.

Gleichzeitig tarierien die Crime-Elemente die Darstellung aus. Neben der Geiselnahme in dem Diner muss Rowan Black mit ihrem Partner noch den Fund einer Wasserleiche im Herald River untersuchen. Damit fließen in die Handlung ganz klassische Krimi-Schauplätze mit hinein. Das Polizeirevier, Tatorte, der Obduktionssaal, das alles erinnert in seinem erzählerischen Aufbau zwar noch eher an das Standard-US-Fernsehserienformat und ist dementsprechend wenig originell. Aber dem lenken Rowan Blacks Figurenzeichnung und letztlich das Existieren von Magie und Hexerei entgegen. Auch die Aspekte der Geheimhaltung und das Aufrechterhalten einer Fassade sind noch einmal interessante Impulsgeber für Rowans Rolle als Detective.

 

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Noch in den Kinderschuhen

In diesem Band sind die Ausgaben 1 bis 5 der Reihe versammelt, was noch einmal verdeutlicht, dass die Geschichte an dieser Stelle wirklich noch in den Kinderschuhen steckt. Es werden viele Fragen aufgeworfen, die noch völlig offen liegenden Erzählstränge hatten allerdings nichts Unbefriedigendes für mich. Es waren nicht per se ungeklärte Fragen. Vielmehr trugen sie dazu bei, dass sich Spannung und Interesse am Fortgang der Handlung entwickelten. Für mich steht außer Frage, dass ich diese Reihe weiterlesen möchte.

 

Verflixt schöne Panels

Was nicht zuletzt an den völlig großartigen Zeichnungen von Nicola Scott in Zusammenarbeit mit Farbassistentin Chiara Arena liegt. Verflixt was sind die schön, diese Panels. Die gesamte Gestaltung, das ganze Konzept ging für mich einfach absolut auf. Es wirkt zum einen wahnsinnig stimmungsvoll und sehr ausdrucksstark, gibt zum anderen aber auch der Handlung die richtige Grundhaltung, die nötigen Nuancen. Damit das ganze eben kein buntes fancy-pancy Zauber-Dingsbums wird, sondern eine reife Umsetzung einer Story aus Crime und urbaner Fantasy.

Schlichtweg genial fand ich dabei auch die sanfte Sepia-Tonung, die an Atmosphäre kaum tragender sein könnte. Auch die leichte Weichzeichnung der Gesichter der Nebenfiguren, während Rowan Black selbst zumeist sehr viel kontrastreicher und schärfer im Fokus sitzt, fand ich spannend. Besonders bei den Headshots und Close-Ups fällt das auf und wirkt. Und die Mimik, die Nicola Scott der Protagonistin verleiht, dazu immer wieder sehr großartige Lichtsetzungen auf dem Gesicht, das beides setzt den Spot immer wieder auf Rowan Black und bringt den Leser recht nah an diese Figur.

 

Fazit:

»Black Magick« besticht nicht unbedingt damit, unkonventionell erzählt zu sein. Im Gegenteil, bedient sich Autor Greg Rucka bei der Figurencharakterisierung und auch bei einzelnen anderen Elementen durchaus des ein oder anderen Klischees. Und folgt eher gängigen als ungewöhnlichen Genremustern, gerade was die Kriminalhandlung betrifft. Dennoch wirken die Zeichnungen von Nicola Scott dazu so markant, so erzählstark, dass von meiner Seite aus wirklich eine kleine große Liebe für die Optik dieses Comics entstanden ist. Bock darauf, zu erfahren, wie es inhaltlich weitergeht, habe ich aber ebenso.

Bewertung: 4.2 Punkte = 4 Sterne

Zeichenstil: 5/5 | Idee: 5/5 | Umsetzung: 4/5 | Figuren: 4/5
Plot-Entwicklung: 4/5 | Tempo: 4/5 | Tiefe: 4/5
Komplexität: 4/5 | Lesespaß: 4/5 | = 4.2/5.0

 


© Splitter Verlag

Greg Rucka, Nicola Scott – Black Magick, Buch 1: Das Erwachen

OT: »Black Magick: Awakening« (2016)

Autor: Greg Rucka | Zeichnungen: Nicola Scott

Übersetzung: Bernd Kronsbein, Gerlinde Althoff

Splitter Verlag | Hardcover | 136 Seiten | 19,80 EUR

Reihe: Black Magick #01

 

 

8 Kommentare zu “Greg Rucka und Nicola Scott – Black Magick #1

  • 17. Mai 2017 at 8:30
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    Ich lese den Band gerade und war im Grunde von den ersten Seiten an begeistert. Mir gefällt die besondere Art der „Farb“gebung und das Setting. Da ich großer Fan von Hexenstorys bin, könnte ich nicht eh nicht anders 😉

    Danke für deine schöne Vorstellung dieses Comics!

    Liebe Grüße,
    Sandra

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    • 17. Mai 2017 at 10:59
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      Hallo Sandra!

      Danke für deinen Kommentar, ich war auch schon wirklich neugierig, wie dir der Band gefällt! Die Farbgebung ist wirklich klasse, ich mochte den Look sehr, das hatte was!

      Ja, Geschichten rund um Hexen, Magier und allerlei Wesen wie Vampire mag ich sehr gern, ich habe auch früher viel Urban-Fantasy gelesen, aber da wurden die Storys immer dünner und beliebiger, alles war entweder auf Romantik oder plumpe Erotik ausgerichtet, das langweilt mich. Mir fehlte da immer der eigentliche Horror-Einschlag, das beklemmende, düstere. Das fand ich dann eher noch in Comics als in Romanen. Aber hier scheint sich auf jeden Fall eine spannende Alternative aufzutun, ich bin gespannt, wie es mit der Serie weitergehen wird! 🙂

      Wie fandest du die Darstellung von Rowans Partner und dessen schwangerer Frau? Das war schon etwas klischeehaft, oder?

      Viele liebe Grüße!

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      • 26. Mai 2017 at 12:24
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        Hi Philly,

        ich bin jetzt durch und schwer begeistert!
        Obwohl die von dir angesprochene Stelle dann doch klischeebehaftet ist, da hast du Recht. Insgesamt war das Leseerlebnis aber so großartig, dass ich da einfach drüber hinweggesehen habe 🙂

        Meine Vorstellung des Comics ist jetzt auch direkt online gegangen, weil ich einfach was dazu schreiben musste.

        Natürlich habe ich alle Buffy-Folgen gesehen und auch Angel habe ich niemals verpasst. Außerdem Charmed … ja, ich weiß, die drei Hexen haben oft nur Männer im Kopf, aber die Serie mochte ich trotzdem immer sehr gerne.

        Liebe Grüße,
        Sandra

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  • 21. Mai 2017 at 16:07
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    Und *schwupp* ist ein neuer Einkauf für nächsten Monat auf die Liste gewandert 😀
    Hab inzwischen wirklich einen Stabel ungelesener Comic/Manga – muss mal wieder auflesen 😛

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    • 22. Mai 2017 at 15:50
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      Ja, bei mir haben sich auch eine ganze Menge Comics angesammelt, ich komme im Moment auch kaum zum Lesen, eiwei. Aber wird ja nicht schlecht! 😉

      Bin dann schon gespannt, „Black Magick“ dürfte dir bestimmt gefallen!

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      • 23. Mai 2017 at 15:21
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        Zum Glück! Stell dir mal vor, die würden anfangen sich zu langweilen und Spaziergänge machen und vielleicht auch noch abhauen?! XD

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        • 26. Mai 2017 at 12:26
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          *lach* Na, das wäre ja noch was. Deshalb müssen die Comics auch immer in Gesellschaft sein. Und ein Umzug vom Comicladen ins heimatliche Regal ist doch auch so etwas wie eine Adoption für so ein Buch 😀

          LG,
          Sandra

          Reply
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