Backlist – #Autorinnenzeit

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Die Beitragsreihe »Backlist« hatte ich ursprünglich im März 2015 hier auf dem Blog gestartet. Sie soll sich Titeln widmen, die nicht zu den aktuellen Neuerscheinungen gehören, sondern schon ein längeres – oder kürzeres – Weilchen in den Programmen der Verlage bestehen.

Seit meinem Blog-Umzug im Sommer letzten Jahres liegt die Reihe brach, schon lange drängt es mich aber, das Format wiederzubeleben. Themenbezogen möchte ich an dieser Stelle gerne wieder öfter interessante Bücher kurz vorstellen, bzw. einfach auf sie aufmerksam machen.

 

#Autorinnenzeit

Ein schönes Thema zum Wiedereinstieg ist die aktuelle #Autorinnenzeit, eine Aktion, auf die ich in den Sozialen Netzwerken aufmerksamk gemacht wurde. Der Name spricht für sich, wer gerne mehr darüber erfahren möchte, findet alle hilfreichen Links und Erklärungen dazu in diesem Post auf der Homepage des Autors Sven Hensel, er hat die #Autorinnenzeit ins Leben gerufen.

Ich fühle mich irgendwie verpflichtet, etwas Kluges, Ambitioniertes zu dieser Thematik zu äußern. Zum Thema Frauen in der Literatur, ein Plädoyer für Frauen in der Kriminalliteratur. Aber da müsste ich mich verbiegen, denn ich bin keine geschlechtsbewusste Leserin. Das würde sicher viel schmucker klingen, wenn ich dazu einen ungelenken Fachbegriff in petto hätte. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass ich mir beim Lesen und auch beim Kauf meiner Lektüre vorher nicht bewusst mache, ob ich den Roman eines Mannes oder einer Frau lese oder kaufe, und das nicht aus Ignoranz, sondern weil es für mich keinen Stellenwert hat, ein Roman wird für mich nicht besser oder schlechter oder interessanter durch das Geschlecht der Person, die ihn geschrieben hat.

 

Fünf Empfehlungen

Warum ich dann aber überhaupt diesen Beitrag unter das Motto #Autorinnenzeit stelle? Weil ich den Umstand beschämenswert finde, dass es eine Frau im Literaturbetrieb schwerer hat als ihr männlicher Kollege. Das ist absurd, das ist nicht mehr zeitgemäß, war es nie. Deshalb gibt es heute in diesem Beitrag eine Auswahl von 5 Autorinnen, deren Romane ich im letzten Jahr mit superlativem Vergnügen gelesen habe und sie daher gerne empfehle. Das ist keine ultimative Top-Liste oder ähnliches. Sie könnte noch um zahlreiche Autorinnen ergänzt werden, aber irgendwo muss man ja und Auswahl treffen und so, schwierig. Also los.

 

backlist-autorinnenzeit-2017

 

Sara Gran – Come Closer

Fangen wir direkt mit einem Buch für die Mutigen, für die Experimentierfreudigen an. »Come Closer« ist anders als die noir-angehauchten Kriminalromane der Autorin. Er ist seltsam faszinierend, spielt mit dem Leser. Das ist noch am ehesten das, was ich als einen veritablen Psychothriller bezeichnen würde, ganz weit weg von dem, was von den Verlagen aktuell unter diesem Banner vertrieben wird. Und ganz weit weg von irgendwelchen Girls im Zug oder Gegangenen.

[zum Buch]

 

Katja Bohnet – Messertanz

Eine ebenso frische Stimme findet man in Katja Bohnet und ihrem Roman »Messertanz«. Ein vermeintlich klassischer Thriller, der aber quasi den Heimlichgriff kennt, den guten Stil, die eigene Erzählstimme und damit auch ein ganz anderes Auftreten hat als eben der x-te Pop-Thriller. Wer den schätzt, aber etwas pfiffigeres sucht, etwas smarteres, etwas eigensinnigeres, der findet es hier.

[zur Rezension]

 

Simone Buchholz – Blaue Nacht

Noch so eine Wucht, eine Stilikone ist für mich Simone Buchholz. Ihr aktueller Roman »Blaue Nacht« sei hier nur stellvertretend genannt, lest um Himmels willen bloß die gesamte Reihe ihrer Krimalromane um Chas Riley, das ist einfach schön und groß und lässig und klug und herrje, so viele schöne Sätze in einem Buch findet man selten.

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Stefanie Gregg – Duft nach Weiß

Und schon wieder eine Wucht! Ich weiß, langsam wird es eintönig, aber was soll ich sagen, »Duft nach Weiß« ist so verdammt großartig. Die Geschichte vom Aufwachsen im kommunistischen Bulgarien, die Rolle einer Großmutter im Leben ihrer Enkelin, dazu der Wunsch nach Freiheit, freien Worten, freiem Denken und das »Regenschirmattentat«. Als ich den Roman im letzten November las, war ich ganz herzgerüttelt und das hält bis heute an. Eine besonders dringliche Empfehlung von mir!

[zur Rezension]

 

Mechtild Borrmann – Trümmerkind

Mechtild Borrmann erzählt diesen Roman auf eine Art und Weise, von der mir bis heute nicht ganz klar ist, wie sie das macht und was da passiert, aber das Lesen war wie ein Kopfsprung und dann ganz langes Tauchen. Die Bausteine einer Familiengeschichte aus dem Zweiten Weltkrieg, aus der Nachkriegszeit und der Gegenwart, dazu eine klare Sprache, die in ihrer Nüchternheit so intensiv ist, dass man sich fragt, wofür andere Menschen eigentlich Modalwörter brauchen.

[zum Buch]

 

6 Kommentare zu “Backlist – #Autorinnenzeit

  • 15. Mai 2017 at 9:20
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    Da ich in den sozialen Medien nicht so aktiv bin, bin ich erst über Deinen Beitrag auf die Aktion gestoßen. Schade, ist ja schon der Mai zur Hälfte vorbei… wobei, wenn man darüber nachdenkt, dann lese ich auch sehr geschlechtsungebunden. Ich mach mir keine Gedanken, ob ein Krimi von einer Frau oder einem Mann geschrieben wird und ich kann dort auch keine geschlechterspezifischen Unterschiede feststellen. Selbst die Bücher vom Argument-Verlag, die ja per se nur Kriminalliteratur von Frauen veröffentlichen – lese ich nicht, weil sie von Frauen sind, sondern weil sie einfach verdammt gut sind.

    Nichtsdestotrotz musste ich aber neulich feststellen, dass auch ich den ausgetretenen Pfaden folge… oder folgen wollte. Ich hatte ja ein paar Interviews vorbereitet, die ich zu meinem Bloggeburstag veröffentlichen wollte. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass es sich hierbei um drei Autoren gehandelt habe – da dacht ich mir auch, geht ja gar nicht. Ich hatte mir die Autoren bewusst gesucht, aber trotzdem habe ich meine Liste dann kurzerhand aufgestockt und weitere Interviews geführt. Mehr Arbeit, aber so hatte ich einen schönes Gleichgewicht. Zumindest in meinem kleinen Universum.

    Leider ist es aber dennoch eine bewiesene Tatsache, dass Literatur von Frauen immer noch Probleme hat, auf Bestenlisten oder Literaturkanons (ist das die korrekte Mehrzahl?) zu erscheinen und ein männlicher Überhang besteht. So finde ich die Aktion wirklich toll und schließe mich bestimmt noch an – und dehne das mal in den Juni aus. Soll ja schließlich kein Stress sein. Aber wirklich eine tolle Aktion. Und auch wenn ich das „Bingo“ ganz bestimmt nicht schaffen werde, ein paar Dinge gehen da bestimmt!

    Deine 5 Auserwählten finde ich toll – und sehr toll finde ich, dass ich zumindest fast alle kenne und gerne lese. Bei mir wären es aber doch andere 5 – soll also nochmal einer sagen, es gäbe nicht genügend Auswahl an richtig guten Autorinnen!

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    • 15. Mai 2017 at 21:11
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      Ich habe auch erst recht spät davon etwas mitbekommen, sonst hätte ich auch glatt mal einen Themenmonat dazu eingelegt, aber das Ziel hinter so einer Aktion sollte ja eher sein, ein langfristiges Bewusstsein zu schaffen, insofern können wir ja jederzeit mal einen Monat lang nur Autorinnen lesen. 🙂

      Danke, freut mich sehr, dass dir die Auswahl gefällt und du die Bücher auch mochtest! Ich würde nächstes Jahr im Mai nochmal einen Backlist-Beitrag zu diesem Thema machen und dann mal schauen, welche Autorinnen aus 2017 besonders im Gedächtnis geblieben sind. 😀

      Ja, manchmal braucht es ein bewusstes Umdenken, Gegensteuern. Ich sträube mich ja immer gegen Sonderstellungen, weil ich denke, dass das nicht der Weg zur Gleichberechtigung ist, aber nichtsdestotrotz ist ja das Ungleichgewicht da und man kann da auch ganz ohne missionieren zu wollen sein Verhalten hinterfragen, so wie bei dir mit den Interviews, das ist ziemlich cool, dass du da so aktiv umgedacht hast.

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  • 15. Mai 2017 at 23:50
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    Eine schöne Idee – ein Autorinnenmonat oder -special. Dafür bin ich gerne zu haben, zumindest wenn wieder ein wenig mehr Zeit ist und ich mich dem Thema auch ein bisschen mehr widmen kann.

    Ist irgendwie auch eine ewige Diskussion: braucht man eine Frauenquote? Braucht man bestimmte Aktionen? Schön wäre es natürlich, wenn das alles ohne zusätzlichen Aufwand funktionierern würde – aber ist eben nicht so. Dazu gehören aber nicht nur Frauen in der Literatur, sondern auch z. B. Indie-Bücher… oder eben Bücher an sich (Welttag des Buches, z. B.). Ich denke, die Lösung beginnt hier auch im Kleinen – also gerne mal einfach ein paar mehr Autorinnen lesen und vorstellen / rezensieren. 🙂

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    • 21. Mai 2017 at 15:59
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      *meld* Wär bei nem Frauenmonat dabei :3

      Ich find solche Aktionen nicht schlecht, nur meist bekommt man sie zu spät mit oder es wird ihr nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt… bzw falsche Aufmerksamkeit siehe Indie-book-Day und Gewinnspiele, aber das ist ein eignes Thema

      @philly
      Du hast mich aber grad an Simone Buchholz erinnert! Von der wollt ich ja auch mal was lesen :3

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      • 22. Mai 2017 at 15:49
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        Den Indiebookday zelebriere ich aber auch aus voller Überzeugung, weil ich die wirklich spannenden Romane dann eben doch zum großen Teil in kleinen, unabhängigen Verlagen finde.

        Ha, mit dem größten Vergnügen, an Simone Buchholz erinnere ich nur zu gern! 😀

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        • 23. Mai 2017 at 15:17
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          Klar! Ich bin auch immer dabei um auf die Verlage aufmerksam zu machen! Aber viele gucken nur nach Gewinnspielen bei solch Aktionen, das meint ich damit 😉

          Ich werde berichten, ob die Simone was für mich ist 😀

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