Miss Marples Krimitipp im Oktober 20.17

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In ihrer Gast-Kolumne »Miss Marples Krimitipps« schreibt die Berliner Buchhändlerin Cornelia Hüppe einmal im Monat ihre aktuellen Krimi-Empfehlungen nieder, erzählt, welche Autoren sie begeistert, welche Geschichten sie fasziniert haben.

In diesem Monat gibt es auch von Miss Marples eine französische Lektüreempfehlung, und was für eine: »Die Marseille-Trilogie« von Jean-Claude Izzo


© Unionsverlag

Jean-Claude Izzo – Die Marseille-Trilogie

Dieses Jahr ist Frankreich Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Das Land zeichnet sich durch eine sehr feine und gute Krimikultur aus. Daher liegt es auch auf der Hand, diesen Monat einen französischen Krimi zu besprechen. Bon. Einen Maigret nicht, den kennen alle. Vielleicht ein Buch von der wundervollen Dominique Manotti oder Fred Vargas oder gar Klassiker wie einen Manchette oder Leo Malet. Oder auch einen entspannten Krimi eines deutschen Autors, der in der Bretagne oder Provence spielt? Viele Möglichkeiten, die einem Frankreich bietet.

Doch nein, es gibt nur ein Buch für mich: DIE MARSEILLE TRILOGIE von Izzo. Sie besteht aus den Bänden »Total Cheops«, »Chourmo« sowie »Solea« und erschien vor einiger Zeit als Sammelband »Die Marseille-Trilogie« für schlappe 16,95 Euro. Wenn man allerhöchste Krimikultur genießen will, dann bitte dieses Buch!

Izzo, der Autor, ist leider bereits im Jahr 2000 viel zu früh  verstorben und konnte demzufolge nicht mehr so viele Bücher schreiben. Wie traurig, denn kaum jemand hat mich mit seinen Werken so verzaubert wie er. Ich hab dieses Buch bereits 3 x gelesen, weine immer an den gleichen Stellen und ringe Jahr für Jahr mit mir, es wieder zu lesen, nur die hohen Berge der ungelesenen neuen Bücher halten mich davon ab.

Im Mittelpunkt stehen zwei Säulen: Zum einen der Bulle Fabio Montale, aufgewachsen in Marseille, wie der Autor. Immer kämpft er gegen die Ungerechtigkeit des Lebens und auch gegen das kriminelle Marseille. Er wird ständig konfrontiert mit der Korruption, auch mit der korrupten Polizei, der Mafia, mit dem wachsenden Drogenhandel, der Prostitution und all den kriminellen Begleiterscheinungen. Zum anderen die Stadt Marseille in ihrer Zerrissenheit durch die vielen dort lebenden und unterschiedlichen Kulturen. Die steigende Kriminalität und gleichzeitig auch die Schönheit, die Melancholie, die diese Stadt umweht, diese Umgebung, das Meer, die wunderbaren Menschen.

Dieses Buch ist wieder ein Beweis für meine These, ein Kriminalroman kann auch ein Meisterwerk sein, ein nachhaltiges Buch, das man einige Male lesen möchte, da es so schön ist. Und es muss nicht unbedingt die kriminelle Handlung im Vordergrund stehen. Izzo konnte das in diesem Fall gut verzahnen, anhand der Krimihandlung ein Bild der Stadt darstellen.

In den Kriminalromanen spielt auch Musik eine große Rolle, Fabio Montale hört wunderbare Musik und der leider ebenfalls bereits verstorbene Vertreter vom Unionsverlag hatte mir seinerzeit eine CD geschenkt mit all jenen wunderschönen Titeln. Und diese Kombination, die Bücher zu lesen und die Musik von Fabio zu hören, war der Hochgenuss schlechthin.

Lest die Marseille Trilogie und träumt von der Stadt, dem Meer. Beim Lesen des Buches habt ihr das Gefühl, ihr riecht das Salz, die Gerüche des Marktes. Und verschenkt es, damit ganz viele Menschen an diesem wunderbaren Buch partizipieren können.

Wenn ich dann irgendwann in den Krimihimmel entschwinden muss, soll dieses Buch bei mir sein.

Marseille, mon amour!

 

Jean-Claude Izzo – Die Marseille-Trilogie | Unionsverlag | Euro 16,95

 

 

 

© Texte verfasst von Cornelia Hüppe


Schaufensterfront Buchhandlung Miss Marple

Die Autorin dieser Kolumne:

Cornelia Hüppe ist die Inhaberin der Berliner Krimibuchhandlung »Miss Marple«. Sie hat nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin BWL studiert, 8 Jahre in dem neuen Beruf gearbeitet und fand es ganz scheußlich. Sie wollte »back to the roots« und eröffnete 2002 die »Miss Marple«.

www.krimi-marple.de

 

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