Verlagsschau im Oktober 20.17

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Jeden Monat erscheinen reihenweise interessante Bücher. Für die Verlagsschau sichte ich grob die Novitäten und stelle eine Auswahl an Titeln zusammen, die mir beim Durchblättern der Verlagsprogramme aufgefallen sind und vielversprechend erscheinen. Und ich erzähle kurz, warum.

Los geht es, hier ist meine Auswahl für den Oktober, in dem mal wieder Zeit für die Frankfurter Buchmesse ist. Ehrengast in diesem Jahr ist Frankreich, was ich zum Anlass nehmen werde, mich in diesem Monat ein bisschen näher mit französischer Spannungsliteratur zu beschäftigen. Dazu dann in einem anderem Beitrag mehr. Hier aber erstmal ganz ohne Landesfilter Neuerscheinungen im Oktober, die ich mir auf meine Leseliste gesetzt habe:


 

© Berlin Verlag

Thomas Reverdy – Es war einmal eine Stadt

Klappentext: Der Traum des grenzenlosen Kapitalismus, der Traum von Reichtum und Fortschritt, ist im September 2008 endgültig geplatzt. Das gilt für Eugène, den gescheiterten Manager genau wie für die Stadt, in die man ihn geschickt hat: Detroit – einst das Herz der aufstrebenden Industrienation USA – jetzt nur noch Rost und Ruinen. Hier kreuzt Eugènes Weg den von Charlie, einem Zwölfjährigen, der sich auf die falschen Freunde eingelassen hat. Er trifft Gloria, Charlies Großmutter, die Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um den mittlerweile verschwundenen Jungen wiederzufinden. Außerdem Lieutenant Brown, dessen Job es ist, solche Kinder zu suchen. Und dann noch Candice, die Kellnerin mit dem »strahlenden, roten Lächeln«. Raffiniert spielt Thomas Reverdy mit Versatzstücken des Noir-Genres, um das Ende einer lange gültigen Vorstellung der Moderne in Moll zu besingen.

erscheint am 02.10.2017 im Berlin Verlag | EUR 22,00

Mein Kommentar: Hier hat mich das im Klappentext aufgezählte Figurenensemble sofort gereizt, außerdem gibt das Stichwort Noir-Versatzstücke natürlich noch einen interessanten Ton vor und hat mit 288 Seiten auch eine in meinen Augen attraktive Länge für einen solchen Stoff. So wird »Es war einmal eine Stadt« erstmal auf meiner Leseliste notiert. Thomas Reverdy ist ein französischer Schriftsteller, im Prinzip passt dieser Titel also auch in meinen Schwerpunkt-Monat Frankreich, aber das war in diesem Fall kein Auswahlkriterium, könnte aber dafür sorgen, dass ich den Roman jetzt im Oktober direkt lese. Mal schauen.

 

 

© Diogenes Verlag

Ross Macdonald – Unterwegs im Leichenwagen

Klappentext: Eigentlich hatte man Lew Archer nur auf Colonel Blackwells ungeliebten Schwiegersohn in spe angesetzt. Doch kaum beginnt er zu ermitteln, stößt er auf eine heiße Spur, welche über verschiedene Leichen bis nach Mexiko und zurück nach Malibu führt. Dabei kreuzt ein als Fun Car genutzter Leichenwagen immer wieder Archers Weg. Sixties, Surfkultur und Gene­­rationenkonflikt sorgen für Spannungen und für Spannung.

erscheint am 25.10.2017 bei Diogenes | EUR 16,00

Mein Kommentar: Weiter geht es mit Old Macdonald und den schmucken Neuauflagen der Romane mit Privatdetektiv Lew Archer. Hier müsste es sich, wenn ich mich nicht verzählt habe, um den zehnten Band der Serie handeln. Die Romanen wirkten auf mich aber grundsätzlich so, dass man sie in loser Reihenfolge lesen konnte. Korrigiert mich gern unten in den Kommentaren, falls ich mich täusche. So oder so, die Ausgabe ist bei mir Pflicht, um die Sammlung wieder ein Stück zu komplettieren und guten Lesestoff vorrätig zu haben.

 

 

© Fischer Verlag

Garth Risk Hallberg – City On Fire

Klappentext: »City on Fire«, der große, überwältigende Roman über New York City von Garth Risk Hallberg. Neujahr 1977. Ein Schneesturm zieht über New York, Feuerwerk erleuchtet den Himmel und im Central Park fallen Schüsse. Die Ereignisse der Nacht bringen eine Gruppe unvergesslicher Menschen zusammen: die schwerreichen Erben William und Regan, zwei Punk-Kids, einen besessenen Magazin-Reporter und einen Cop. Sie alle leben und lieben hier, in der großen Stadt, die bankrott und gefährlich ist und zugleich vor Energie platzt. Als dann am 13. Juli 1977 die Lichter ausgehen, gerät die Stadt in den Ausnahmezustand – und nach dem Stromausfall ist kein Leben wie zuvor. „City on Fire“ ist ein großer Roman über Liebe, Betrug und Vergebung, über Kunst, Wahrheit, Punk und Rock’n’Roll – kraftvoll, überbordend, außergewöhnlich.

erscheint am 26.10.2017 bei Fischer | EUR 14,00

Mein Kommentar: Die Taschenbuchausgabe von »City On Fire« habe ich schon erwartet. Das Hardcover erschien bereits im März 2016 mit einem anderen Cover, und schlägt mit seinen 1080 Seiten in der gebunden Variante auch gut zu. Beim Taschenbuch sind es kaum weniger, aber gut Ding will Zeilen haben. Und so bin ich auf dieses Werk mehr als gespannt.

 

 

© Heyne Hardcore

John Niven – Alte Freunde

Klappentext: Zwei alte Schulfreunde. Craig war früher der charismatische Anführer, zu dem alle aufschauten und der zum Rockstar avancierte. Alan stand stets im Abseits, war Mitläufer. Dreißig Jahre später haben sich die Vorzeichen radikal geändert. Alan ist erfolgreicher Gourmetkritiker und Bestsellerautor, während sich Craig als Obdachloser auf Londons Straßen rumtreibt. Das Schicksal führt die beiden wieder zusammen. Alan greift seinem alten Freund unter die Arme und versucht ihn wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Und bald ist nichts mehr so wie es war.

erscheint am 30.10.2017 bei Heyne Hardcore | EUR 20,00

Mein Kommentar: Ein neuer Roman von John Niven ist immer Grund zur Freude. Zugegeben, das Cover macht mich nur bedingt an. Aber wie immer, es zählt, was geschrieben steht und so bin ich neugierig, was sich der Autor dieses Mal überlegt hat, um den Leser vom Höckerchen zu hauen. Wird ja gerne mal etwas wilder beim John Niven. Macht mir sprachlich auch immer viel Spaß. Insofern, ja, da kribbelt es schon etwas in den Fingerspitzen.

 

 

© CulturBooks

Anthologie, hrsg. von Aurélien Massons – Paris Noir

Klappentext: 12 Kurzgeschichten, 12 Blickwinkel, 12 Stadtviertel – und 12 faszinierende Teile eines größeren Puzzles. Ein spannendes Städteporträt und eine Entdeckungsreise durch die Kriminalliteratur Frankreichs. »Paris Noir« führt den Leser mit 12 exklusiven Storys durch die Banlieues und das mittelalterliche Zentrum der Stadt mit seinen gewundenen Gassen, seinen Geistern und den tief in der Geschichte vergrabenen Geheimnissen. Mitten hinein in Kriminalität, Schießereien, verwickelte Affären und zerstörte Träume – denn Paris ist nicht nur die Stadt der Liebe …

erscheint am 09.10.2017 bei CulturBooks | EUR 15,00

Mein Kommentar: Will ich mir nicht nur aufgrund meines Themen-Monats Frankreich unbedingt zulegen, sondern auch weil ich a) inzwischen Kurzgeschichten sehr zu schätzen gelernt habe, b) bei den versammelten Autoren so viele hochklassige Stimmen versammelt sind, c) dies der Auftakt zu einer ganzen Reihen von städtebezogenen Kurzgeschichtensammlungen sein wird, dem neben »Berlin Noir « und «USA Noir« im nächsten Jahr auch noch Bände zu Los Angeles, Stockholm, London, Rom, Dublin, Las Vegas und einige mehr folgen sollen. Geiles Projekt? Geiles Projekt!

 

 

© Cass Verlag

Iori Fujiwara – Der Sonnenschirm des Terroristen

Klappentext: An einem sonnigen Samstagmorgen im Oktober geht in einem Park mitten in Tokyo eine Bombe hoch. Es gibt zahlreiche Tote und Verletzte. Die Polizei vermutet einen terroristischen Anschlag. Im Park genehmigt sich der abgehalfterte Barkeeper und schwere Alkoholiker Shimamura gerade den ersten Whiskey des Tages. Nach der Detonation geht Shimamura sofort auf die Suche nach einem kleinen Mädchen, das ihn wegen seiner zitternden Hände zuvor angesprochen hatte, und sorgt dafür, dass es ins Krankenhaus kommt. Der heroische Akt hat allerdings einen Preis: die Whiskeyflasche mit Shimamuras Fingerabdrücken bleibt im Park zurück. Shimamura, der wegen der mutmaßlichen Beteiligung an einem Bombenanschlag im Zusammenhang mit den Studentenunruhen der 60er Jahre auf den Fahndungslisten der Polizei steht, lebt unter falschem Namen im Untergrund. Nun wird er wieder gejagt. Ihm bleibt nur die Flucht nach vorne. Dabei bekommt er von unerwarteter Seite Hilfe – von einem Yakuza.

erscheint am 04.10.2017 im Cass Verlag | EUR 19,95

Mein Kommentar: Eine spannende Entdeckung im Programm des Cass Verlages, der sich japanischer Literatur verschrieben hat und mit »Der Sonnenschirm des Terroristen« einen Krimi vorlegt, der in Japan zugleich mit einem renommierten Krimipreis und einem Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Mir macht der Klappentext ein gutes Gefühl im Bauch, ich bin sehr sehr neugierig auf den Schreibstil und auf die Art der Figurenführung. Der Link zum Buch erfolgt leider nur auf die Startseite des Verlages, da für den Roman selbst noch keine eine Seite angelegt war. Aber mehr Infos findet man in der Vorschau-PDf, die auf der Seite zur Verfügung gestellt wird. Zudem lohnt das Stöbern auf der Website in jedem Fall, ein sehr interessantes Programm!

 

 

© Albino Verlag

Arthur Dreyfus – Nach Véronique

Klappentext: Als Bernard einen Anruf von der Polizei erhält, bricht sein Leben zusammen: Seine Frau Véronique ist während eines Urlaubs in Tunesien einem terroristischen Anschlag zum Opfer gefallen. Die Tochter zieht für einige Tage in das elterliche Haus in der Pariser Banlieue, um ihrem Vater über den schweren Verlust hinwegzuhelfen. Doch Bernards Welt kreist nur noch um einen einzigen Gedanken: Rache für Véroniques Tod. In Tunesien hat der junge Student Seiffedin gute Chancen, die ärmlichen Verhältnisse, aus denen er stammt, zu überwinden. Aber der Tod seines Bruders und die Trennung von seiner Geliebten treiben ihn unaufhaltsam in die Arme islamistischer Extremisten denn er deutet den Verlust als Strafe Gottes. In seinem furiosen, aufwühlenden Roman verwebt Arthur Dreyfus die Schicksale und Geschichten seiner Figuren zu einer hochaktuellen Reflexion über religiösen Fanatismus, sinnloses Töten und die Schrecken terroristischer Gewalt.

erscheint am 01.10.2017 im Albino Verlag | EUR 24,00

Mein Kommentar: Nochmal Terror. Diesmal, nochmal Frankreich. Der französische Autor Arthur Dreyfus schreibt in seinem vierten Roman über terroristische Gewalt und religiösen Fanatismus. Für mich klingt das auf den ersten Blick nach einer lesesnwerten Ergänzung zu dieser Thematik. Den Roman möchte ich im kommenden Monat auf jeden Fall in meinem Frankreich-Schwerpunkt mit unterbringen und euch näher vorstellen. Auch hier erfolgt übrigens die Verlinkung vom Buch »nur« zur Verlagsvorschau. Dort findet ihr aber direkt auf den ersten Seiten die Vorstellung von »Nach Véronique«, die noch ein paar zusätzliche Infos bereithält und außerdem auch hier unbedingt das weitere Durchsehen lohnt, auch dieser kleine Verlag hat ein unglaublich interessantes und starkes Programm!

 

 

Soweit also die Verlagsschau für den Oktober. Unter den Neuerscheinungen auf meiner Liste macht sich der Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse auch bemerkbar. In den nächsten Tagen folgt hier auf dem Blog dann noch ein Beitrag, in dem ich ein paar der Romane, die ich unter dem Banner »französische Spannungsliteratur« im Oktober lesen möchte, kurz vorstelle.

Bis dahin, ich bin gespannt, welche Neuerscheinungen ihr im Oktober ins Auge gefasst habt und ob vielleicht der ein oder andere auch welche der hier vorgestellten Titel vorgemerkt hat!

 

8 Kommentare zu “Verlagsschau im Oktober 20.17

  • 1. Oktober 2017 at 13:44
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    Diesen japanischen Roman hatte ich auch schon gesehen. Echt interessant, aber nachdem ich mit „Geständisse“ schon ein Problem mit den Figuren aus dem japanischen Kulturkreis hatte, bin ich skeptisch, ob das wirklich etwas für mich ist.
    Ansonsten gibt es einige weitere interessante Bücher im Oktober, aber ich werde sie wohl wenn mit etwas Verzögerung lesen. John le Carré oder Robert Harris zum Beispiel. Liza Cody ist auch schon raus, oder? Mannomann, es ist einfach nicht alles zu schaffen.

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    • 1. Oktober 2017 at 19:47
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      Zu „Geständnisse“ gab es auch sehr durchwachsene Meinungen, glaube ich. Da wollte ich später mal ins Taschenbuch reinlesen. Ich habe auch noch nicht allzu viele japanische Kriminalromane gelesen, „Der Dieb“ im letzten Jahr war aber auf jeden Fall von einem ganz eigenen Erzählfluss. Und ich mochte Murakamis „Afterdark“ sehr, obwohl das kein Krimi und Murakami selbst auch wohl eine Klasse für sich ist. Ich habe auch noch einige japanische Autoren hier ungelesen im Regal. Das schreit nach einem Themen-Schwerpunkt. 😉

      Stimmt, von Liza Cody steht ja auch noch Neues an! Da habe ich noch nicht mal die älteren Romane gelesen. Du sagst es, es ist einfach nicht alles zu schaffen!

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  • 1. Oktober 2017 at 15:54
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    Nach Veronique sehe ich jetzte auch schon zum zweiten Mal und höt sich absolut interessant an. Ich denke, ich werde es mal auf meinen Wunschzettel packen.
    Liebe Grüße
    Martina

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    • 1. Oktober 2017 at 19:48
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      Ich habe den Roman auch vorhin bei Iris (Die Leserin) in der Vorschau gesehen, ich kann mir vorstellen, dass es auch noch öfter auftaucht. Bin sehr neugierig darauf! 🙂

      Liebe Grüße!

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  • 2. Oktober 2017 at 10:12
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    Wie ich direkt zwei dicke fette Übereinstimmungen entdeckt habe 😀
    „Paris Noir“ möchte ich auch unbedingt lesen!
    Ebenso „Es war einmal eine Stadt“!
    Und freut mich zu hören, dass du nun Kurzgeschichten für dich entdeckt hast 🙂

    „Der Sonnenschirm des Terroristen“ hab ich auch gesehn, bin aber unschlüssig. Auch wenn ich wieder ein Japan-Special starten wollte. Diesmal richtig und besser geplant, als beim letzten Mal *hüst*

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    • 2. Oktober 2017 at 10:27
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      Ah, guter Einklang! 🙂

      Kurzgeschichten habe ich aber nicht erst jetzt zu schätzen gelernt, das ist quasi nichts „Neues“, habe doch schon vor gut zwei Jahren angefangen, auch hier auf dem Blog öfter über Kurzgeschichtenbände zu schreiben. Aber kann man ja gar nicht oft genug betonen, sie fristen ja doch oft noch ein stiefmütterliches Dasein. Umso mehr freue ich mich auf die neue Reihe von CulturBooks, da wird wohl eine erstklassige Autorenauswahl am Start sein, da kann man sich wirklich freuen. 😀

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      • 2. Oktober 2017 at 18:24
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        Ich merke, wir kennen uns schon zu lange 😛
        Kann mich noch gut an deine Skepsis erinnern, an diesen Kurzgeschichten 😀

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        • 2. Oktober 2017 at 18:47
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          Ich meine, dazu hatte ich mal einen Blogartikel verfasst, aber der ist beim Umzug verschütt gegangen, wie ich bei der Suche danach gerade feststellen musste. Aber so groß war meine Skepsis auch nicht. 😉 Ist halt schon eine Kunst, gute Kurzgeschichten zu schreiben.

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