Robert Berg – Pech für den Puppenspieler

In Robert Bergs Kriminalroman »Pech für den Puppenspieler« gerät das Leben des Barkeepers Edmund Petersen in eine Schieflage. Vom Typ sowieso nicht der große Karriereyuppie, hat Ed sein Soziologie-Studium gemeinsam mit seinem Elan, seinen Träumen und Hoffnungen schon lange ad acta gelegt, und jobbt mit Anfang 40 immer noch in seinem alten Nebenjob in einer Bar in Berlin-Schöneberg.

Schöneberg ist auch seine Heimat, aufgewachsen zwischen der ehemaligen Wildnis am Gleisdreieck und dem Kleistpark, zwischen Bayrischem Platz und Yorckstraße, hat Ed im Schöneberger Kiez seine Wurzeln und seine Freunde.

 

Jugendfreunde

Aber die engen Bande aus Jugendtagen sind dünner geworden, man sieht sich kaum noch, Kinder, Karriere, das Leben. Das nächste Treffen dann aber ganz bestimmt, nimmt man sich vor, und wieder vergehen Monate und Jahre. Auch von seinem eigentlich besten Freund Tom hat Ed lange nichts mehr gehört, als der plötzlich vor seiner Tür steht. Schulden begleichen möchte er, denn Tom ist Künstler und steht gleich bei mehreren seiner alten Freunde in der Kreide. Scheinbar hatte er endlich Erfolg, begeistert spricht er von einer Ausstellung in St. Petersburg, bei der seine Skulpturen, die er aus alten Schaufensterpuppen aufwendig und lebensecht realen Menschen nachempfindet, endlich Käufer angezogen haben.

Doch einen Tag nach dem Besuch ist Tom tot, ein Unfall oben in Hellersdorf und das, wo sie alle doch eigentlich kaum aus Schöneberg rauskommen. Zurück bleiben seine Freundin Nele und sein Sohn David, noch ein Säugling. Dazu ein Haufen alter Schulfreunde, Volkan, Stefan, Peter, Mark, Benedikt. Und die Erinnerungen an gemeinsame Zeiten. Toms Tod zieht letztlich Ermittlungen der Polizei nach sich, in die auch Ed immer weiter verstrickt wird.

 

Bezirksportrait

Das alles passiert unter Begleitung von allerlei lokalen Bezügen. Es gibt einige Streifzüge durch den Bezirk, durch seine Kieze mit den Bars, Cafés und Kneipen, mit den Wohnsilos aus den 70ern, den luxussanierten Altbauten und historischen Plätzen. Auch Wohnorte berühmter Popkünstler oder Schauspielerinnen finden Erwähnung. In dem Roman steckt ein gutes Stück Westberliner Geschichte, sodass ich »Pech für den Puppenspieler« eher als ambitionierten Kiez-Roman, weniger jedoch als einnehmenden Krimi wahrgenommen habe.

Die Krimihandlung ist zwar der Aufhänger der Geschichte und bestimmt die Handlung, wer einen Krimi sucht, findet ihn hier also auch, aber mir schien die Fusion aus Krimiplot und Bezirksportrait nicht richtig rund, es las sich ungelenk. Auch wenn die Beschreibungen durchweg authentisch waren und ich als Ortskundige mein Berlin dort immer wieder entdecken konnte, mit den Ereignissen rund um Ed, den toten Tom und der Frage nach dem Wieso und Warum wurde ich nicht warm.

Zu schnell wurden die Zusammenhänge deutlich, zu zögerlich zog der Protagonist die offensichtlichen Schlüsse und zu leicht zu durchschauen war, wohin die Geschichte wollte. Dazu wirkte das Erzählen stilistisch relativ gleichförmig und übte auf mich keinen großen sprachlichen Reiz aus. Es liest sich zwar flott, aber ohne große Eigenarten.

 

Stadtcharakter

Dabei mochte ich die Idee über alte Freundschaften zu schreiben, über alte Jugendfreunde, die alle noch im gleichen Viertel wohnen, deren Leben sich ganz unterschiedlich entwickelt haben. Auch die Beschreibungen der Schaufensterpuppen, die zum Ebenbild des Gemüsehändlers von nebenan geworden sind oder sich als Punkrockikonen darstellten, hatten Charme. Dazu kurze Rückblicke in vergangenge Tage im Dunst von Punkmusik, Partys, Konzerten, Demos und Hausbesetzern im Wechsel mit Eindrücken aus dem heutigen Schöneberg.

Schöneberg ist für mich ein sehr urberlinerischer Bezirk, sehr geprägt vom alten Westberlin, aber auch von der jüngeren Stadtentwicklung. Dicht bebaut. Innenstadt. In der Werbung einer Berliner Brauerei wurde Schöneberg als »feinherb« charakterisiert und das trifft es wirklich gut, in Schöneberg trifft man auf herbe Menschen und auf feine Menschen, manche sind beides. Es gibt dort feine Ecken und herbe Ecken. Das fängt »Pech für den Puppenspieler« sehr zuverlässig ein. Aber der Stil und die Krimihandlung haben mich nicht abgeholt.

 

Fazit: »Pech für den Puppenspieler« erzählt im Rahmen eines Krimis fast wehmütig von Freundschaften und Jugend, von Jugendfreundschaften, Erinnerungen, vom Erwachsenwerden und Erwachsensein und zeichnet dabei das authentische und liebenswerte Portrait eines durch und durch berlinerischen Bezirkes mit seinem lokalen Charakter. Allein der Krimiplot und der Schreibstil waren mir dabei zu dünn und zu reizlos.


In Zahlen: Stil: 2/5 | Idee: 3/5 | Umsetzung: 2/5 | Figuren: 2/5 | Plot-Entwicklung: 1/5 | Tempo: 2/5 | Tiefe: 2/5 | Komplexität: 2/5 | Lesespaß: 2/5

 


© Prolibris Verlag
Robert Berg – Pech für den Puppenspieler

Originalausgabe

Juli 2017 im Prolibris Verlag

Paperback | 186 Seiten | 11,00 EUR

Genre: Kriminalroman

Reihe: Einzelband

Schauplatz: Berlin-Schöneberg

 

 

 

 

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