Miss Marples Krimitipps im Juli 20.17

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In ihrer Gast-Kolumne »Miss Marples Krimitipps« gibt die Berliner Buchhändlerin Cornelia Hüppe einmal im Monat eine aktuelle Krimi-Empfehlungen, verrät euch, welches Buch sie zuletzt wirklich begeistert hat. Aus zuvor drei vorgestellten Titeln haben wir auch hier umgestellt auf einen Buchtipp pro Monat. Er soll eine wirkliche Empfehlung der Buchhändlerin darstellen, ihr aktueller Favorit und ein Tipp, der von Herzen kommt.

Diesen Monat hat das der neue Roman von Don Winslow, »Corruption«, geschafft.


© Droemer Knaur Verlag

Don Winslow – Corruption

Der Autor Winslow hat es mir nicht immer leicht gemacht. Meistens verschlang ich seine Bücher, wobei »Tage der Toten« und »Frankie Machine« für mich seine größten Würfe sind. Leider hat er auch äußerst ärgerliche Bücher auf den Markt gebracht, wie »Germany« oder »Vergeltung«, die mehr als unnötig waren und die ich schon fast als unverschämt bezeichnen würde.

Daher lag »Corruption« erst ein Weilchen auf dem Stapel, da ich doch eher schmollte. Allerdings reizte mich das Thema mit dem korruptem Bullen. Ich nahm das Buch zur Hand und las … und las … wie eine Verrückte! Mit dem Ergebnis: Don Winslow ist erst einmal wieder mein King.

Er hat mit seinem Roman bei mir natürlich einen Nerv getroffen. Ich bin eine Verehrerin des sog. Polizeiromans und bedaure es immer sehr, dass dieses Genre heute nicht mehr in der Häufigkeit bedient wird, wie ich es mir wünschen würde. Es gibt zu wenige Autoren, die dieses Handwerk beherrschen. Vielleicht trauen sich auch zu wenige Autoren, in dieses Milieu einzutauchen, doch Winslow hat es geschafft und gleichzeitig New York wieder in den Mittelpunkt gestellt, was für mich schon der klassische Handlungsspielort für einen Cop-Roman ist.

Ja und dann sein Protagonist Denny Malone. Winslow beschreibt den moralischen Verfall von ihm und seinen Kollegen Russo und Monty vom NYPD. In der genialen HBO-Serie »The Wire« ging es ja auch oft um die Korruption, die Darstellung von üblen Typen, die mit Drogen handeln und die klassischen »bad guys« sind. Bei der Serie ertappte ich mich oft dabei, dass ich diese Typen gar nicht so unsympathisch fand.

Und genau so ging es mir hier mit Malone. Ich mag ihn, ist das nicht erschreckend? Dieser Malone, der Beweismittel manipuliert, der sich von Dealern schmieren lässt, der es mit Edelnutten krachen lässt, für den hege ich Sympathien? Ja, ich mag ihn und ich habe tatsächlich in dem Buch mit ihm gelitten. Denn irgendwie denke ich, er macht das alles, um seine Familie zu stützen und dass er eigentlich auch auf der Suche nach Gerechtigkeit ist und ein gutes Herz hat. Viele können mir jetzt Blauäugigkeit vorwerfen, das prallt an mir ab. Ich mag Helden wie Malone und daher mag ich Winslow. Denn nur gute Autoren schaffen es, einen vermeintlich miesen Typen so darzustellen, da man auf seiner Seite ist, mit ihm leidet und sich natürlich auch an seiner Darstellung reibt. Vielleicht habe ich auch einfach zu viel kriminelle Energie in mir?

Egal. »Corruption« ist für mich einer der spannendsten und lesenswerten Romane des Jahres 2017. Winslow polarisiert, auch wenn man die Rezensionen seiner Bücher verfolgt. Vor allem jetzt bei »Corruption« merkt man es sehr deutlich, sie bewegen sich zwischen »gähnend langweilig« und «absolut genial«. Und das ist es für mich, »absolut genial«. Ich liebe es, Bücher zu verschlingen, in eine Welt abzutauchen, die eine andere ist, als die, in der ich mich bewege. Und das ist Winslow gelungen. Er knallt die kurzen, prägnanten Sätze dem Leser um die Ohren, er lässt die Handlung sich in einem enormen Tempo entfalten und er bedient sich einem knallharten, guten Sound, der sich durch das ganze Buch zieht.

Daher bleibt mir zum Schluss nur zu schreiben: Thank you so much, Mr. Winslow!

 

Don Winslow – Corruption | Droemer Knaur Verlag | Euro 22,99

 

 

 

© Text verfasst von Cornelia Hüppe


Schaufensterfront Buchhandlung Miss Marple

Die Autorin dieser Kolumne:

Cornelia Hüppe ist die Inhaberin der Berliner Krimibuchhandlung »Miss Marple«. Sie hat nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin BWL studiert, 8 Jahre in dem neuen Beruf gearbeitet und fand es ganz scheußlich. Sie wollte »back to the roots« und eröffnete 2002 die »Miss Marple«.

www.krimi-marple.de

 

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