Martin Krist – Der Tod steckt im Detail

Kurzgeschichten Der Tod steckt im Detail Martin Krist Luzifer Verlag

Ich muss zugeben, Kurzgeschichten werden von mir meist eher stiefmütterlich behandelt. Nicht, weil ich diese Erzählform nicht anerkenne, ganz im Gegenteil erscheint es mir eine besondere Kunst zu sein, die Idee zu einer Geschichte in kurzer Form zu halten und sie trotzdem auf den Punkt genau Wirkung entfalten zu lassen.

Und doch bleibt von einer Kurzgeschichte meist nur ein flüchtiger Eindruck, ein kurzer Gruß des Autors, ein Winken im Vorbeigehen. Die Kurzgeschichtensammlung »Der Tod steckt im Detail« von Martin Krist macht allerdings etwas ziemlich Geniales.

 

Crime, Thrill and Mystery

Aufgeteilt in drei Bereiche finden sich im ersten Abschnitt »Crime Scene Berlin« sechs Kurzgeschichten, die im gleichen Serienkosmos spielen, wie Martin Krists Volllängen-Thriller. Also kein flüchtiges Kennenlernen, sondern ein Wiedersehen, eine Ergänzung und eine Bereicherung, wenn man seine Bücher bereits gelesen hat. Wenn nicht, auch nicht schlimm, im Gegenteil. Die Stories sind Appetitanreger, die aber alle für sich stehen, einzeln gelesen werden können und kein Vorwissen erfordern.

Wer mit den Figuren aus dem ein oder anderen Martin-Krist-Thriller aber schon vertraut ist, darf sich darauf freuen, Paul Kalkbrenner, Sera Muth und auch den weitreichenden Armen des Verbrechens in Gestalt von Miguel Dossantos Schergen zu begegnen. Die Geschichten bieten einen kleinen Einblick in die Welt, die Martin Krist in seinen Thrillern erschafft und fast entsteht beim Lesen das Gefühl, man würde mal unter der Woche und nicht zum verabredet Termin am Sonntag bei der Familie hereinschneien und dem Alltag über die Schulter schauen.

Im zweiten Teil der Kurzgeschichtensammlung »Thrill Nation« warten dann weitere sieben Kurzgeschichten auf den Leser. Von Berlin geht es raus in die verschiedensten Winkel Deutschlands, ob Dortmund oder die Insel Juist, das Verbrechen lauert überall. Und auch hier trifft man auf bekannte Namen, kann die Kurzgeschichten einem großen Ganzen zuordnen oder sie auch wieder einfach für sich sprechen lassen.

Im letzten Abschnitt wartet die »Mystery World«. Der Name sagt es schon, zum Abschluss drei Storys, die sich zwischen Wahn und Realität, Traum und Albtraum bewegen.

 

Gesamtkonzept

Thematisch und stilistisch tragen die Kurzgeschichten ganz deutlich die Handschrift Martin Krists. Alles, was man an seinen Thrillern schätzt, findet man auch in seinen Kurzgeschichten. Gemeinsam haben die Geschichten, dass Menschen im Mittelpunkt stehen, die Dinge tun, die dem Leser ein »Das hat er nicht wirklich getan?!« durch den Kopf schießen lassen.

Drei Storiess haben sich mir dabei ganz besonders eingebrannt: »Urlaub« hatte die Überraschung auf seiner Seite, »Grenzen« machte mit seinem Aufbau eine starke Atmosphäre und »Beseelt« ist schaurig und düster-poetisch.

Zudem beweisen alle sechzehn Kurzgeschichten sowohl einzeln als auch in der Gesamtkonzeption des Erzählbandes, dass bei Martin Krist immer gut konstruierte und durchdachte Geschichten auf dem Plan stehen. Jeder Plot hat seine Feinheiten, der Autor spielt mit verschiedenen Erzählperspektiven, lockt einen, jagt einen, hält einen auf Distanz. Jede Geschichte hat ihre Raffinesse und im letzten Satz versteckt sich oft der große Aha-Moment. Der Teufel steckt eben im Detail! Der Tod, pardon, der Tod steckt im Detail!

 

Fazit: In meinen Augen eine absolut gut durchdachte Kurzgeschichtensammlung, die Martin Krists schriftstellerische Vorzüge perfekt in Szene setzt. Für Neuleser zu empfehlen, für Kenner unverzichtbar.

 

Für die Transparenz: Seit Januar 2016 schreibt Martin Krist für das WortGestalt-BuchBlog eine monatliche Krimikolumne. Diese Besprechung schrieb ich im Oktober 2015 noch vor unserer Zusammenarbeit.

 


© Martin Krist
Martin Krist – Der Tod steckt im Detail

besprochene Ausgabe September 2015 im Luzifer Verlag

Neuauflage als »Todesspiele« August 2018

Taschenbuch | 230 Seiten | 9,99 EUR

Genre: Thriller

Reihe: Einzelband

Schauplatz: Berlin, Dortmund, Juist u.a.

 

 

 

10 Kommentare zu “Martin Krist – Der Tod steckt im Detail

  • 29. Oktober 2015 at 18:41
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    Ich hab es bei deinem Post schon vermutet und es sind tatsächlich Kurzgeschichten. Mag ich ja nicht so 🙁 Aber das Cover ist immer noch toll 🙂

    Diese Dreiteilung klingt ja schon interessant, wenn die Figuren bekannt sind, kann ich auch mit kürzeren Geschichten leben.
    Aber es bleiben halt doch Kurzgeschichten.

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  • 29. Oktober 2015 at 19:00
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    Hallo Philly,

    was die Kurzgeschichten angeht, schreibst du mir geradezu aus der Seele und hast die Worte dafür so schön gewählt!

    Es klingt interessant und ich stolpere immer wieder über das Buch, aber es sind halt Kurzgeschichten. Das muss ich mir noch überlegen, vielleicht passt es ja mal.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  • 29. Oktober 2015 at 20:26
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    Ich lese sonst auch kaum (nie…) Kurzgeschichten, eben aus oben genannten Gründen, aber hier lohnt es sich so ungemein!! Ich hätte es bereut, wenn ich das Buch nur deshalb nicht gelesen hätte, weil es Kurzgeschichten sind. Bin ja aber nun auch schon durch die beiden Thriller, die ich gerade von Martin Krist gelesen habe, angefixt und daher ist es eine wunderbare Ergänzung. Übrigens ist Jeffery Deaver der einzige andere Autor, von dem ich einen Kurzgeschichtenband besitze. 😉 Ich finde, bei "Lieblingsautoren" ist ein Kurzgeschichtenband schon etwas feines, nur die Anthologien mit verschiedenen Autoren, die reizen mich kaum.

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  • 29. Oktober 2015 at 20:29
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    Ja, dabei ist es eigentlich schade drum. Gerade bei favorisierten Autoren ist so ein Kurzgeschichtenband eine spannende Sache, gemischte Bände locken mich aber auch nicht so. In diesem Falle ist das Buch aber der beste Grund, seine Bedenken gegenüber Kurzgeschichten über Bord zu schmeißen, da waren so coole Storys bei, ich würde es bereuen, wenn ich diese nicht hätte kennenlernen können. 🙂

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  • 30. Oktober 2015 at 14:34
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    Hey du! 🙂
    Wenn es um Kurzgeschichten geht, bin ich auch immer total voreingenommen. Entweder ich mag den Autor oder die Autoren oder ich lasse gleich die Finger davon. Allerdings habe ich mir vorgenommen, das in Zukunft mal zu lassen und auch neuen Autoren und Kurzgeschichtensammlungen eine Chance zu geben, daher schaue ich auch mal in dieses Buch hinein 🙂

    Alles Liebe
    Carly

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  • 30. Oktober 2015 at 21:02
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    Hey Carly!! 😀 Ja, mach das, hier lohnt es sich sehr, weil man wirklich einen guten Einblick bekommt, wie Martin Krist schreibt und welche Themen er aufgreift. Liebe Grüße!!!

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  • 22. August 2018 at 17:30
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    Hmpf… verrat mir mal, warum dieser Beitrag bei mir in der Timeline erscheint, obwohl der ja schon ein paar Tage auf dem Buckel hat…? Egal – ich hab dazu trotzdem was zu sagen:
    Ha, ich wusste gar nicht, dass es eine Kurzgeschichtensammlung von Martin Krist gibt. Das wäre ja für mich genau das richtige, um mal reinzuschnuppern. Ich hab nämlich noch nichts von ihm gelesen. Glaube ich… wobei ich mich düster an einen Krimi von Marcel Feige erinnere… damals… lange ist es her.
    Danke für die Vorstellung, der Band ist mal gleich auf die Wunschliste gehüpft.

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    • 23. August 2018 at 8:48
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      Ja, dass der Beitrag jetzt per Mail und in der WordPress-Timeline nochmal neu rausging, sollte eigentlich vermieden werden, hat aber nicht geklappt. 🙁 Ich habe doch von dem Wechsel vor zwei Jahren zu WordPress noch etliche Besprechungen im Backend liegen. Die hatten alle ein Ding wegbekommen und müssen neu formatiert werden, das hatte ich damals zeitnah aber nur bei einem Bruchteil der vielen Posts geschafft. Und wenn ich jetzt einen der alten Beiträge editiere und von “privat” auf “öffentlich” setze, haut WordPress das trotzdem in den Feed der neuen Beiträge. Wenigstens behält er das Urpsrungsdatum der Posts bei. Aber trotzdem verwirrend für Leser. Ich bin extra schon in den Maintenance-Modus, weil ich dachte, das hilft dagegen, aber nein, die tauchen bei euch dann trotzdem auf. Wenn ich jetzt also mal drei, vier der alten Rezensionen formatieren und wieder auf “öffentlich” setzen will, bekommen die Leser vier neue Posts angezeigt. Das ist Käse.

      Aber immerhin cool, wenn du dadurch auf die alte Besprechung aufmerksam wurdest. 🙂 Die hier war gerade fällig, weil von den Kurzgeschichten jetzt eine Neuauflage erscheint und da Kurzgeschichten immer wenig Aufmerksamkeit bekommen, diese hier aber wirklich gut sind, wollte ich den Post gern wieder online haben. Daher also dieser alter, alte Beitrag so weit oben in der Timeline. 😀

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      • 27. August 2018 at 9:23
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        So gesehen ist es doch vielleicht auch gar nicht schlecht, wenn Du nach und nach Deine “alten” Beiträge scharf schaltest. Das ist ja quasi wie Backlist lesen…. 😀
        Und bei mir hat das ja schon mal gut geklappt… hab mir die Kurzgeschichtensammlung auch schon geholt.

        Ja, Kurzgeschichten haben es schwer. Auch bei mir – weil ich es nicht so einfach finde, diese zu rezensieren. Nichtsdestotrotz finde ich immer, es sind herrliche Schmankerl für zwischendurch. Natürlich reicht auch hier die Bandbreite von grottig schlecht bis überragend gut. Aber allen voran ist es immer eine tolle Chance Autoren kennen zu lernen ohne gleich ein ganzes Buch zu lesen. Also her damit.

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