Lena Avanzini – Nie wieder sollst du lügen

Kriminalroman Nie wieder sollst du lügen Lena Avanzini Haymon Verlag

Es gibt Vorfälle, die sind per se verdächtig. Ein Autounfall zum Beispiel, bei dem die Bremsspuren fehlen. Technische Mängel lagen nicht vor, das Fahrzeug wurde nicht manipuliert. Trotzdem raste es ungebremst erst auf einen Betonpoller, brach dann durch die Leitplanke und prallte schlussendlich in eine Baumgruppe und brannte aus. Vater, Mutter und zwei Kinder, die ganze Familie in einem Wagen, ausgelöscht fast auf einen Streich. Erweiterter Suizid wird dem Fahrer des Unfallwagens unterstellt. Der ist ja tot, kann dazu also nichts sagen.

Nur vier Tage später ein erneuter Autounfall mit tödlichem Ausgang. Der Fahrer sollte demnächst Vater werden, saß alleine im Fahrzeug. Wieder fehlen Bremsspuren.

Die Wiener Kommissarin Carla Bukowski stört sich an diesen beiden Fällen, glaubt weder an den erweiterten Suizid beim ersten noch an einen Unfall beim zweiten Crash und verbeißt sich in die Vorstellung, dass es da einen Zusammenhang geben könnte. Fast schon zwanghaft versessen darauf, zu beweisen, dass hier Morde verübt wurden, beginnt sie im Umfeld der Opfer mit Freunden, Bekannten und Familien zu sprechen. Dabei ist sie für diesen Fall überhaupt nicht zuständig, wurde von ihrem Vorgesetzten beurlaubt.

Doch die Ermittlungen sind für Carla eine Flucht vor sich selbst, vor der Tatsache, dass sie eigentlich nicht mehr einsatzfähig ist, seit sie ihren Mann und ihren Sohn verloren hat. Die Umstände werden im Laufe des Romans nach und nach dargelegt. Eine traumatisierte Kommissarin, ja, aber auch eine sehr starrköpfige und toughe Frau, die sich an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit gebracht hat.

Der Kriminalfall entwickelt sich derweil weiter. Carla hat einige Spuren aufgetan, denen sie hartnäckig folgt. Und es taucht ein zweiter Handlungsstrang auf, in dem die Figur der Jana Pechtold mit ihren Zwillingstöchtern von zunehmender Bedeutung für die Geschichte wird. Mir erschloss sich hier relativ früh, wie die einzelnen Fäden zusammenhängen könnten. Auch wenn es natürlich keine endgültige Gewissheit gibt, bevor man nicht die letzte Seite gelesen hat. Und speziell diese letzten Seiten geben »Nie wieder sollst du lügen« einen starken Abschluss.

Überhaupt verbirgt sich hinter diesem Krimi eine interessante Story, die Hauptfiguren haben interessante Geschichten. Nur die Motive für ihr Handeln waren mir nicht stark genug herausgearbeitet, besonders in Relation dazu, welche Tat hier verübt wird. Das war, zusammen mit der leichten Durchschaubarkeit der Handlung auch letztlich der Knackpunkt. Man merkt dem Buch schon seinen eigenen Charakter an. Aber an verschiedenen Stellen erschienen mir die Beweggründe für die Taten der Protagonisten nicht ausreichend schlüssig. Das kann sowohl daran liegen, dass ich nicht alle Nuancen in den Charakterzeichnungen wahrgenommen habe, als auch an der Figurenzeichnung selbst. Letztendlich hat es jedenfalls nicht gereicht, um mich vollends zu packen. Auch wenn sich die Handlung zum Ende hin von einem Krimi zu einem waschechten Thriller wandelt und an Tempo und Showdown nicht spart.

 

Fazit: »Nie wieder sollst du lügen« beginnt wie ein Krimi, entwickelt sich dann am Ende zu einem Thriller und hat durchweg einen leichten Lesefluss, der angenehm unterhält. Trotz interessanter Themen, die hier verbaut wurden, habe ich mit der Umsetzung gehadert.


In Zahlen: Stil: 3/5 | Idee: 4/5 | Umsetzung: 2/5 | Figuren: 3/5 | Plot-Entwicklung: 3/5 | Tempo: 4/5 | Tiefe: 4/5 | Komplexität: 3/5 | Lesespaß: 3/5

 


© Haymon Verlag
Lena Avanzini – Nie wieder sollst du lügen

Originalausgabe

März 2016 im Haymon Verlag

Taschenbuch | 344 Seiten | 9,95 EUR

Genre: Kriminalroman

Reihe: Kommissarin Carla Bukowski # 01

Schauplatz: Österreich

 

 

4 Kommentare zu “Lena Avanzini – Nie wieder sollst du lügen

  • 29. Juni 2016 at 17:16
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    Hi,

    eine schöne Zusammenfassung zu diesem Buch und vielen Dank fürs Verlinken meiner Rezi 🙂

    Liebe Grüße,
    Uwe

    Reply
  • 29. Juni 2016 at 17:57
    Permalink

    Hallo Uwe! Da warst Du wieder schneller als ich, ich wollte heute noch bei Dir Bescheid geben, dass ich dich hier verlinkt und zitiert habe, aber es freut mich, wenn das in Ordnung geht! 🙂

    Ich habe mich auch an vielen Stellen in deiner Rezension wiedergefunden, kann dir da in einigen Punkten zustimmen. Bin gespannt, wann es einen zweiten Fall für Carla Bukowski geben wird, ich würde nochmal reinlesen!

    Liebe Grüße und danke für deinen Kommentar!

    Reply
  • 30. Juni 2016 at 7:49
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    Hallo Philly,
    ich bin auch schon gespannt auf den nächsten Fall für Carla 🙂
    Liebe Grüße
    Lilli

    Reply
  • 30. Juni 2016 at 8:50
    Permalink

    Hallo Lilli! Ja, da kann man gespannt sein, wie sich die Figur entwickelt.

    Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße!

    Reply

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