Kriminell Gelesenes im Januar 20.17

Banner Kriminell Gelesenes Martin Krists Krimikritik

In seiner Kolumne »Kriminell Gelesenes« stellt der Autor Martin Krist regelmäßig zum Monatsende seine aktuellen Lieblingsbücher vor – oder Bücher, die er lieber nicht gelesen hätte.

Dieses Mal mit dabei: Andreas Pflüger, Tana French und Gregg Hurwitz.


cover operation rubikon andreas pflueger suhrkamp
© Suhrkamp

Andreas Pflüger – Operation Rubikon

Ein Jahr, seit mich Andreas Pflügers »Endgültig« begeisterte. Jetzt hat der Suhrkamp Verlag Pflügers Debüt neu aufgelegt. Auch diesmal geht es um die organisierte Kriminalität, um Korruption und Machtmissbrauch in Wirtschaft und Politik.

»Gnade uns Gott, wenn ich recht habe, dann werden wir uns schnell wieder nach den lächerlichen Parteispendenskandalen der Jahrtausendwende zurücksehnen!«, konstatiert der BKA-Präsident Wolf, der zum Kampf gegen die Kartelle die Geheimoperation Rubikon ins Leben ruft – unter dem Kommando seiner Tochter Sophie. Die jedoch hat nicht nur ihr eigenes Familienpäckchen zu tragen, außerdem ist sie umgeben von Verrätern.

»Operation Rubikon« ist kein Thriller für zwischendurch, stattdessen ein komplexer Roman, dem man auf jeder Seite anmerkt, wie akribisch sich ihr Schöpfer in die Materie eingearbeitet hat. Da mögen die Charaktere zeitweise nur oberflächlich bleiben, das spielt keine Rolle: Wer sich auf die Geschichte einlässt, erlebt furiose 800 Seiten, die, obwohl aus dem Jahr 2004, aktueller und beängstigender denn je sind: »Es ist eine hochtechnisierte, mächtige Bananenrepublik.«

Andreas Pflüger – Operation Rubikon | erschienen bei Suhrkamp | Euro 14,95

 

 

cover tana french gefrorener schrei fischer verlag
© Scherz

Tana French – Gefrorener Schrei

Manchmal fesselt Tana French, manchmal langweilt sie ungemein. Letzteres traf zu auf »Geheimer Ort«, ihr vorheriger Roman, eine zähe Internatsverschwörung, dank platter Figuren zu keiner Zeit glaubwürdig.

Immerhin: In ihrem neuen Krimi sind die Figuren wieder stimmig, die Atmosphäre dicht, was insbesondere an der Erzählerin liegt. Detective Antoinette Conway, die einzige Frau im Dubliner Morddezernat, die von ihren Macho-Kollegen gemieden wird wie die Pest. Diese Conway soll jetzt den Mord an der jungen Aislinn Murray lösen, eine Beziehungstat, wie es scheint. Als Conway daran Zweifel hegt, nimmt nicht nur das Mobbing der Kollegen zu, auch ihre Ermittlungen werden sabotiert.

Und genau da liegt das Problem bei »Gefrorener Schrei«: Von Anfang an sind die Verstrickungen der Polizisten in den Mordfall offensichtlich. Deshalb verliert Conways Spurensuche, trotz aller Bemühungen Frenchs, falsche Fährten zu legen, auf halbem Weg an Spannung. Leider.

Tana French – Gefrorener Schrei | erschienen bei Scherz | Euro 16,99

 

 

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© HarperCollins

Gregg Hurwitz – Orphan X

Gar keine Spannung kommt in diesem Killer-Thriller auf, der – soviel Ehrlichkeit muss sein – auch keine Novität mehr ist, sondern schon seit April 2016 auf meinem Stapel ungelesener Bücher liegt. Und dort hätte er mal lieber bleiben sollen.

Evan Smoak war ein Killer im Regierungsauftrag, ausgebildet als kleiner Junge im Orphan-Projekt. Seit seinem Ausstieg lebt er anonym in einem Hochsicherheitsappartement in L.A. und tötet allenfalls ehrenamtlich – für Leute in Not. Dummerweise sind ihm die anderen Orphan-Killer auf der Spur.

Der Wechsel zwischen Erinnerungsfetzen, die über Evans Ausbildung aufklären, und hirnlosen Ballereien im Hier und Jetzt, unterbrochen nur von seitenweiser Waffenkunde und anderem Hightech-Gedöns, ist nach spätestens 100 Seiten nur noch ermüdend. Beim Showdown bin ich dann tatsächlich eingeschlafen, eine fast 20-seitige Schlägerei, in der jeder fernöstliche Kung-Fu-Tritt und -Schlag bis ins Detail erklärt wird.

Gregg Hurwitz – Orphan X | erschienen bei HarperCollins | Euro 15,99

 

 

© Texte verfasst von Martin Krist


Autor Martin Krist schwarz/weiß

Der Autor dieser Kolumne:

Martin Krist, geboren 1971, lebt als Schriftsteller in Berlin. Er arbeitete viele Jahre als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Seit 1997 ist er als Schriftsteller tätig. Nach mehr als 30 Sachbüchern, darunter die Biografie über die Hamburger Kiez-Ikone Tattoo-Theo, die Punk-Diva Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido und die Grunge-Ikone Kurt Cobain, schreibt er seit 2005 Krimis und Thriller.

www.martin-krist.de

 

 

10 Kommentare zu “Kriminell Gelesenes im Januar 20.17

  • 31. Januar 2017 at 13:05
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    Also Orphan X werd ich so oder so noch lesen, habs hier auf englisch liegen. Bei Tana French werd ich wohl aufs TB warten oder es nur mal leihen. Schade eigtl, da ich mich auf ihren neuen Band gefreut hatte 🙁

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    • 2. Februar 2017 at 8:23
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      Soll ja auch keinen vom Bücherlesen abhalten! 😉 Und vielleicht gefällt dir der neue Roman von Tana French ja. Ich kenne nur den ersten, war davon seinerzeit auch eigentlich sehr angetan, aber habe es dann irgendwie verpasst, weiterzulesen. Vielleicht steige ich da ja mal wieder ein. 🙂

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      • 2. Februar 2017 at 16:37
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        Ist ja nicht die erste Reaktion zu dem Buch, die ich les 😉 Aber wie gesagt, warte ich wenn eh aufs TB. Generell mag ich ihren Stil, der doch recht ruhig ist und etwas aus der Reihe tanzt 🙂

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  • 2. Februar 2017 at 15:19
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    Den ersten Roman von Tana French fand ich ebenfalls großartig. Den zweiten – geschwätzig und langweilig. Den dritten: wieder sehr gelungen. Den vierten: wie beim zweiten. Und so geht das meiner Meinung nach immer bei French, ein Auf und Ab …

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    • 3. Februar 2017 at 10:35
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      Ja, hatte ich schon gelesen. Mich hat bisher jeder unterhalten, aber jeder hat so seine kleine Schwächen. Ich fand den vierten (war dass das mit der Schule?!) an sich gar nicht so schlecht. Denn trotz des eeeeewigen Hin-und-Her hab ich mich kurioserweise nicht gelangweilt 😛

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  • 3. Februar 2017 at 21:16
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    Au weh. „Orphan X“ dürfte wohl eher bescheiden sein. 🙁 Dabei wartet es noch am SuB auf mich.

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    • 5. Februar 2017 at 14:33
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      Die Hoffnung stirbt zuletzt und Geschmäcker sind verschieden! 🙂 Aber ich muss zugeben, das Buch hat es bei mir nicht mal auf die Könnte-interessant-sein-Liste geschafft, als ich es in der Programmvorschau gesehen habe. (Wo ist denn eigentlich hier der Emoji, bei dem sich der Affe beschämt die Augen zuhält…) 😉

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  • Pingback: Monatsrückblick Januar 2017 - Tommi und die Schmöker

  • 16. Februar 2017 at 18:33
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    Hach ja, Tana French. Das ist bei mir ja auch so eine Sache. Ich kenne nur zwei oder drei der Bücher um Cassie Maddox und fand die Bücher gleichzeitig gut und langatmig. Beim Lesen hatte ich so oft das Gefühl nichts vorwärts zu kommen und ich hab mich immer wieder bei „Wie laaaang noch?“ Gedanken ertappt. Und trotzdem mochte ich die Bücher nach dem Zuklappen immer gern. Selten hatte ich so zwiegespaltene Gedanken. 😀

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    • 17. Februar 2017 at 11:25
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      Ich verstehe, was Du meinst! Ich glaube, ich muss mir die Autorin in diesem Jahr wirklich nochmal vornehmen. Als ich den ersten Band gelesen habe, habe ich mir noch keine Notizen zu gelesenen Büchern gemacht, also keine ausführlichen, daher habe ich nur noch so ein Gefühl davon, dass ich es sehr positiv in Erinnerung behalten habe. Aber irgendetwas muss mich ja auch davon abgehalten haben, dann den nächsten Band zu lesen. 😉

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