Tim Seeley + Mike Norton – Revival: Unter Freunden

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Sie nennen sie die »Erweckten«. An einem Tag Anfang Januar erwachen in dem kleinen Städtchen Wausau in Wisconsin die soeben Verstorbenen wieder zum Leben. Das ist einerseits unheimlich, denn das gehört so nicht zum Plan. Gleichzeitig ist es aber auch erfreulich, wenn man gerade in großer Trauer einen nahestehenden Menschen verloren hat. Und in letzer Konsequenz ist es vor allem eines, nämlich tragisch und zwar auf ganz vielen Ebenen.

 

Wiedergänger

All diese Gedanken verarbeitet Autor Tim Seeley in seiner Comicreihe »Revival« und verbindet sie mit Erzählelementen aus Crime, Horror und Mystery zu einer Geschichte, die mich aufs positivste überrascht hat. Denn auch wenn man bei der Thematik lebender Toter automatisch an Zombies denkt, ein Phänomen, das längst seinen Schrecken und auch seinen Reiz verloren, als es seinen Platz im Pop-Mainstream gefunden hat, birgt »Revival« eine ganz andere Grundüberlegung und will etwas ganz anderes erzählen.

Hier erheben sich die Verstorbenen nicht als blutrünstige Hässlichkeiten, sondern sie sind augenscheinlich einfach nur nach ihrem Tod wieder erwacht. Je nach Zustand zum Zeitpunkt ihres Ablebens mehr oder weniger frisch, aber immer noch denkend, fühlend und ihrer Sprache mächtig. Und sie kehren zu ihren Familien zurück, zu ihren Farmen, zu ihren Jobs an der Supermarktkasse.

 

Quarantäne

Menschen, die nicht tot bleiben, das macht die Regierung nervös. Die kleine Stadt Wausau wird unter Quarantäne gestellt, die Seuchenschutzbehörde schickt einen Biologen, der den Vorfall untersuchen soll, religiöse Spinner und schlagzeilenhungrige Journalisten werden von dem Ereignis angezogen. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Figur Dana Cypress, Tochter des örtlichen Sheriffs und selbst ambitionierte Polizistin in der Kleinstadt Wausau. Das Verhältnis zu ihrem Vater kann man als angespannt bezeichnen, dennoch vertraut er ihr und überträgt ihr die Leitung der neuen »Schlichtungseinheit für erweckte Bürger«. Und daraus entspinnt sich dann die Story, der hier vor allem erst einmal ein solides Fundament geschaffen wird. Ich habe diesen ersten Band der »Revival«-Reihe an einem Abend in einem Rutsch durchgelesen und das kam dem Gefühl, die ersten Folgen einer Fernsehserie, einer guten Fernsehserie, zu schauen schon verdammt nah.

 

© Cross Cult
© Cross Cult Verlag
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Tot, aber dynamisch

Dieser Comic besticht mit seiner tollen Erzähldynamik. Er führt nach und nach einzelne Figuren ein, stellt Verbindungen zwischen selbigen her, deutet Zusammenhänge und Konflikte an, baut einzelne Handlungsschauplätze auf, das macht alles Spaß, das ist spannend und das unterhält richtig gut. Dazu wirkt noch die Stimmung einer verschneiten und abgelegenen Kleinstadt in Wisconsin, die passionierte Seriengucker an »Fargo« und auch an »Akte X« erinnern mag. Weniger wegen der Inhalte, sondern hauptsächlich aufgrund des Settings und der Stimmung.

 

Stimmungsvoll

Und die Zeichnungen von Mike Norton setzen genau diese Stimmung auch hervorragend um. Diese Mischung aus Kleinstadtleben im mittleren Westen und rätselhaften Ereignissen, die durchaus unheimlich und schauerlich wirken, das alles findet man in den Gesichtern der Figuren ebenso wie in den schneebedeckten Landschaften. Auch blutig wird es an einigen Stellen, das muss man bei so einer Story aushalten können. Die Zeichnungen bemühen sich nicht um Schönheit, sondern vor allem um charakterstarke Panels.

Zusätzlich bekommt man noch ein Thema mitgeliefert, das das Potential hat, auch über viele weitere Bände die Leser bei der Stange zu halten. So sollte eine gute Serie funktionieren und ich habe massiv Lust auf die Fortsetzungen! Aktuell umfasst »Revival« sechs deutschsprachige Bände, Nummer sieben erscheint im Juni im Cross Cult Verlag.

 

bewertung wortgestalt buchblog 5 sterneFazit: »Revival« überrascht mit seiner Erzähldynamik, die Panels sind so gut aufeinander abgestimmt wie die Szenen einer TV-Serie und überhaupt entspricht das ganze Leseerlebnis dem Eindruck, als würde man eine wirklich gut gemachte Serie schauen. Und das macht einfach Spaß, das ist spannend und birgt, wenn man sich darauf einlässt, ernste Gedanken zum Thema Tod und Leben.

Bewertung: 4,6 Punkte = 5 Sterne

Zeichenstil: 5/5 | Idee: 5/5 | Umsetzung: 5/5 | Figuren: 4/5
Plot-Entwicklung: 5/5 | Tempo: 5/5 | Tiefe: 4/5
Komplexität: 4/5 | Lesespaß: 5/5 | = 4,56 Punkte

 

 


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© Cross Cult

Tim Seeley + Mike Norton – Revival

Band 01: Unter Freunden

OT: »Revival Vol.1: You’re Among Friends« (2012)

Autor: Tim Seeley | Zeichnungen: Mike Norton

Übersetzung: Frank Neubauer

Cross Cult Verlag | Hardcover | 128 Seiten | 18,00 EUR

Reihe: Revival #01

 

 


Weitere Besprechungen zum Buch gibt es unter anderem bei:

Papiergeflüster»In „Revival“ stecken viele großartige Ideen, die einem zu denken geben. Immer wieder löst ein einzelnes Bild Fragen aus, die einen weiter begleiten.«

Der Sinn»Tim Seeley entführt uns in eine Welt, die sich von anderen Horror-Szenarien vor Allem dadurch unterscheidet, dass die Protagonisten ungewöhnlich verstört von der eigenen Existenz sind.«

Dein AntiHeld»Auch wenn „Revival“ auf den ersten Blick eher zurückhaltend und mysteriös wirkt lässt sich Autor Tim Seeley (Hack/Slash) nicht nehmen immer wieder einzelne, verstörend brutale Elemente einzustreuen.«

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