Kriminell Gelesenes im Oktober 20.18

In seiner Gast-Kolumne »Kriminell Gelesenes« schreibt der Berliner Thriller-Autor Martin Krist hier auf dem Blog regelmäßig über seine aktuelle Lektüre. Und auch am Ende dieses Monats zieht er Bilanz. Was war sein Lieblingsbuch – oder welches Buch hätte er lieber nicht gelesen?

Dieses Mal mit: Judith Arendt – Helle und der Tote im Tivoli


© Atlantik Verlag

Judith Arendt – Helle und der Tote im Tivoli

Es stellt sich die Frage: Bedarf es – nach Jahren der Schwemme – noch weiterer Skandinavien-Krimis? Ich gebe zu, ich bin der Romane aus Schweden, Norwegen & Co. mitsamt ihrer chronisch depressiven, zutiefst abgestürzten (oder tödlichst unlustigen) Kommissare überdrüssig geworden.

Aber dann kommt Judith Arendt daher, ausgerechnet eine deutsche Autorin, und beweist mit ihrer Helle den Miesepetern aus dem Norden, dass es auch anders geht.

Helle ist Polizistin in dem kleinen Skagen, ein stiller Ort vor dem Meer, glücklich verheiratete Mutter, Zimtschnecken-Connaisseurin, tagsüber mit Lärmbelästigung, dem Laub des Nachbarn oder falsch parkenden Touristenautos beschäftigt. Oder wenn’s mal ganz kriminell wird: Verkehrsunfälle, Herzinfarkte, Badeunfälle, vielleicht einen Einbruch. Klingt nicht nach dem großen Weltschmerz.

Natürlich geschieht irgendwann ein Mord, natürlich kennt Helle das Opfer, der örtliche, unscheinbare Schulrektor, weshalb sie natürlich, obwohl die erfahrenen Kollegen aus der Großstadt ermitteln, auf eigene Faust zu schnüffeln beginnt – und am Ende dann doch ein tragisches Drama enthüllt. Aber bekanntlich sind stille Wasser tief.

Das alles ist freilich nicht neu, auch der Killer mit seinen Komplexen, aber es wird von Arendt mit einer solchen Leichtigkeit erzählt, dass es eine Freude ist. Spannend obendrein. Und vor allem süß. Ich sage nur: Zimtschnecken!

 

Judith Arendt – Helle und der Tote im Tivoli | Atlantik Verlag 2018 | Euro 16,00

 

 

© Text verfasst von Martin Krist


Autor Martin Krist schwarz/weiß

Der Autor dieser Kolumne:

Martin Krist, geboren 1971, lebt als Schriftsteller in Berlin. Er arbeitete viele Jahre als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Seit 1997 ist er als Schriftsteller tätig. Nach mehr als 30 Sachbüchern, darunter die Biografie über die Hamburger Kiez-Ikone Tattoo-Theo, die Punk-Diva Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido und die Grunge-Ikone Kurt Cobain, schreibt er seit 2005 Krimis und Thriller.

www.martin-krist.de

 

 

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