Kriminell Gelesenes im April 20.18

Banner Kriminell Gelesenes Martin Krists Krimikritik

In seiner Gast-Kolumne »Kriminell Gelesenes« schreibt der Berliner Thriller-Autor Martin Krist hier regelmäßig über seine aktuelle Lektüre. Und auch am Ende dieses Monats zieht er Bilanz.

Was war im April sein Lieblingsbuch – oder welches Buch hätte er lieber nicht gelesen?

Dieses Mal mit: Garry Disher – Leiser Tod


© Unionsverlag

Garry Disher – Leiser Tod

Schande über mein kahles Haupt: Erst im vergangenen Jahr habe ich mit »Bitter Wash Road« meinen ersten Garry Disher gelesen und mich, schwer beeindruckt, gefragt: Warum erst so spät? Egal! Mit  »Leiser Tod« hatte der Unionsverlag bereits den nächsten Disher-Roman in der Pipeline. Für mich eine Pflichtlektüre.

»Leiser Tod« ist das sechste Buch mit Inspector Challis, aber das spielt keine Rolle. Zwar hat es Challis in den Bänden zuvor wiederholt durch die Hölle getrieben. Die Narben trägt er bis heute. Doch sein Schöpfer Disher erinnert dort, wo nötig, kurz und knapp an die Vorgeschichten, und der Leser ist sofort im Bilde.

Diesmal kriegt es Challis mit einer jungen Frau zu tun, die im Outback von einem vermeintlichen Polizisten vergewaltigt wurde. Mit einem Bankräuber, der ganz Australien unsicher macht. Graffitisprayern, die mit markigen Sprüchen die Grundstücke Neureicher verzieren. Außerdem mit einer spektakulären Einbruchsserie.

Davon und von noch viel mehr – einem Australien fernab aller Touristenklischees – erzählt Garry Disher in aller Gemächlichkeit. Trotzdem, oder gerade deswegen mit lebendigen Figuren und einer dichten, eindringlichen Atmosphäre. Und es ist dabei eine wahre Freude, wie Disher seine vielen verschiedenen Handlungsfäden mit fortlaufender Geschichte kreuzt, ineinanderfügt, beinahe wie zufällig zu einem großen Gesamtbild formt. Natürlich, eine solch komplexe Geschichte verlangt einiges an Aufmerksamkeit. Aber als Belohnung winkt ganz große Krimikunst.

 

Garry Disher – Leiser Tod | Unionsverlag 2018 | Euro 22,00

 

 

© Text verfasst von Martin Krist


Autor Martin Krist schwarz/weiß

Der Autor dieser Kolumne:

Martin Krist, geboren 1971, lebt als Schriftsteller in Berlin. Er arbeitete viele Jahre als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Seit 1997 ist er als Schriftsteller tätig. Nach mehr als 30 Sachbüchern, darunter die Biografie über die Hamburger Kiez-Ikone Tattoo-Theo, die Punk-Diva Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido und die Grunge-Ikone Kurt Cobain, schreibt er seit 2005 Krimis und Thriller.

www.martin-krist.de

 

 

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