Jeff Lemire – Der Unterwasser-Schweißer

Hach ja. Die Schwermut kann echt schöne Geschichten erzählen. Jeff Lemire auch. Und zeichnen. Zeichnen macht er hier auch selbst. Ganz eigenwillig, ganz in schwarz/weiß mit kantigem Strich und weich getuschten Grautönen.

Das hier soll auch nur ein ganz kurzer Beitrag werden, ich will gar nicht so viel über die Geschichte erzählen und zu Jeff Lemires Zeichenstil ist mit eigenwillig, kantig und schwarz/weiß im Prinzip auch schon das oberflächlich beschreibende gesagt, den Rest muss man beim Lesen selber sehen und fühlen.

Das Ding mit den Gefühlen hat Jeff Lemire nämlich raus. Mich hatte schon der erste Band seiner Essex-County-Trilogie, »Geschichten vom Land«, ganz gut am Herz erwischt, aber nicht so wuchtig und pompös, sondern auf eine leise und fast vorsichtige Art und Weise.

Ähnlich ist es auch hier. »Der Unterwasser-Schweißer« erzählt die Geschichte von Jack, der vor der Küste Neuschottlands auf einer Ölplattform arbeitet und unter Wasser die Schweißarbeiten an den Rohrleitungen vornimmt. Er liebt diesen Job, es zieht ihn in die Tiefe, ins Wasser. Auch sein Vater war Taucher, Schätze wollte er heben. Meist hob er aber nur die Flasche in der Bar.

Und jetzt wird Jack bald selbst Vater. Seine Frau Susie ist schwanger, schon im neunten Monat und sie sind extra wieder in Jacks Heimat gezogen, nach Tigg’s Bay. Doch je näher die Geburt rückt, umso mehr zieht es Jack unter Wasser. Was er dort zu finden hofft und welche Last er mit sich trägt, das erzählt dann die Geschichte.

Und noch mehr, »Der Unterwasser-Schweißer« erzählt von Vätern und Söhnen, vom Meer und vom Wasser, vom Verlorensein, vom Loslassen, von Verlust und von Zugewinn, von Angst und vom Leben, von Familie und von Enttäuschungen und Träumen. Es ist eine ruhige Geschichte, toll erzählt, und mit ganz vielen starken Stimmungen, für die sich die Panels auch die nötige Zeit nehmen.

Also, kurz und knapp, take it or leave it, aber Jeff Lemire ist groß. Außerdem hört man es munkeln, dass Ryan Gosling dieses grafische Novellchen verfilmen möchte. Stellt euch mich tanzend vor.

 

Da ich dieses Mal leider keine Zeichnungen einbinden konnte: Wer einen Blick in den Comic werfen möchte, hier auf der Verlagsseite findet man eine Leseprobe.

 


© Hinstorff Verlag
Jeff Lemire – Der Unterwasser-Schweißer

Originalausgabe »The Underwater Welder« (2012)

übersetzt von Henry Gidom

März 2017 im Hinstorff Verlag

Paperback | 224 Seiten | 18,99 EUR

Genre: Drama

Reihe: Einzelband

Schauplatz: Kanada, Küste

 

 

4 Kommentare zu “Jeff Lemire – Der Unterwasser-Schweißer

  • 21. August 2018 at 14:15
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    Hm, das klingt gar nicht schlecht. Auch wenn ich mich beim Titel erst etwas angeekelt verlesen habe. *lach* – Kommt mal auf den Merkzettel.

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    • 21. August 2018 at 16:10
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      Hahaha, sehr schön, ja, der Titel ist tricky und auch ein reichlich unbekannter Berufszweig!

      Aber cool, dass er deine Aufmerksamkeit gewinnen konnte, ich denke auch wirklich, dass das etwas für Dich wäre! 🙂

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  • 26. August 2018 at 11:49
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    Das ist eines der Werke von ihm, die ich mir unbedingt noch zeitnah holen möchte! Allein das Cover zieht einen schon magisch an und nun noch deine Kritik. Die nächste Comicbestellung naht :3

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    • 27. August 2018 at 10:57
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      Ich habe mir auch schon die nächsten zwei Lemire bereit gelegt, “The Nobody” und der erste Band von “Descender” sind es, jetzt muss ich nur noch entscheiden, womit beginnen! 😀

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