Verlagsschau im Oktober 20.19

Nachdem das gemeinsame Blog-Spezial von »Die dunklen Felle« und mir zur Kriminalliteratur aus Ostasien nun leider zu Ende ist, geht es hier wieder mit dem ganz normalen Blogalltag weiter. Und da es für die Sichtung der Neuerscheinungen im Oktober noch nicht zu spät ist, wollte ich heute noch meine Auswahl an Titeln zusammentragen, die ich diesen Monat für interessant, lohnend oder vielversprechend halte.

Besonders freue ich mich ehrlich gesagt auf die zwei Crime-Comics, darunter eine Umsetzung von Jean-Patrick Manchettes »Nada«! Aber auch die vorgemerkten Romane stimmen freudig, da ist einiges interessantes und auch ungewöhnliches dieses Mal dabei.



 

© Lenos Verlag

Nicolas Verdan – Die Coachin

Klappentext: Coraline verdient als Coachin ihr Geld damit, die Führungsposition ihrer Klienten zu stärken. Als sich ihr Bruder, ein Angestellter der Post, das Leben nimmt, gibt sie dem Unternehmen mit seinen Umstrukturierungen die Schuld und fasst einen perfiden Racheplan: Sie wird Beraterin eines Topmanagers der Post, um sein Vertrauen zu gewinnen, ihn zu manipulieren und beruflich wie psychisch zu zerstören. Nachdem sie ihn zu einer unheilvollen Unternehmensstrategie verführt, präsentiert sie ihn dem geheimen Managerbund im obersten Stock des Zürcher Prime Tower, wo seine Bewährungsprobe eskaliert.

Vor dem Hintergrund einer neoliberalen Wirtschaftswelt beschreibt Nicolas Verdan den Rachefeldzug einer ehrgeizigen Frau, die schliesslich von ihrer sozialen Herkunft und von verdrängten Schuldgefühlen eingeholt wird. Die Rache wird zum Bumerang und trifft sie selbst. Ein zynischer Roman noir und eine Anklage an die Gewalt des Neoliberalismus.

erscheint am 31.10.2019 im Lenos Verlag | EUR 19,90

Mein Kommentar: Ich glaube, mich hat hier zuerst der Titel gelockt. Gute Arbeit! Aber auch der Inhalt, da schwingt etwas mit, das aus dem alten Rachemotiv etwas interessantes herauskitzeln könnte. Ich bin ehrlich neugierig und gespannt auf die Herangehensweise und da ich mich auch immer über neue Stimmen freue und der aus dem französischsprachigen Teil der Schweiz stammende Nicolas Verdan mir bisher unbekannt ist, wohl aber schon einige Romane geschrieben hat, gibt es hier also etwas Neues zu entdecken. Gute Sache!

 

 

© Ariadne/Argument Verlag

Sarah Schulman – Trüb

Klappentext: Maggie Terry hat den Tiefpunkt erreicht. Gerade aus der Reha in die Welt entlassen, Exfreundin und Tochter sind schon lange weg, muss sie einen neuen Job in einer Anwaltskanzlei antreten, denn ihre Karriere bei der New Yorker Polizei ist unwiderruflich futsch. Nun heißt es den Anschluss an die Gegenwart wiederfinden. Am ersten Tag von Maggies neuem beruflichem Dasein stattet Broadway-Bühnenstar Lucy Horne der Kanzlei einen Besuch ab. Maggie soll diskret den Mord an einer Komparsin untersuchen – die Schauspielerin Jamie Wagner wurde erwürgt –, und Lucy präsentiert auch einen Verdächtigen, den bekannten Schriftsteller Steven Brinkley. Ein Verbrechen aus Leidenschaft? Maggie Terry kämpft mühsam um Bodenhaftung, pendelt zwischen Narcotics Anonymous-Treffen, irrationalen Stalking-Aktionen ihrer treulosen Ex und dem Versuch zu verstehen, was mit ihr und der Welt passiert ist …

erscheint am 21.10.2019 bei Ariadne | EUR 20,00

Mein Kommentar: Auf diesen Roman freue ich mich ganz besonders, nicht zuletzt, weil Sara Gran, eine meiner höchst angehimmelten Lieblingsautorinnen, über dieses Buch folgendes gesagt hat: »Maggie Terry is the most beautiful, most bitter, most sweet, and all around best detective novel I’ve read in years. Precise, insightful, heartbreaking, and page turning.« Und wenn Sara Gran so schön lobt und ich glaube ehrlich und ganz fest, dass das keines dieser leeren Gefälligkeitszitate unter Kollegen ist, dann kann das nur ein wunderbarer Detektivroman sein.

 

 

© Polar Verlag

Pierre Pouchairet – Unheiliges Land

Klappentext: In Nablus, dem Zentrum des Widerstands gegen Israel, wird eine Familie jüdischer Siedler grausam ermordet. Dany und Guy, beide aus Frankreich stammend, Offiziere der israelischen Justizpolizei, werden zu Beobachtern der Ermittlungen ernannt. Maïssa, eine palästinensische Polizistin, führt ihrerseits hartnäckig eigene Ermittlungen durch, da die jungen Palästinenser, die aufgegriffen wurden, eines Verbrechens beschuldigt werden, das sie möglicherweise nicht begangen haben. Der Fall wird von israelischer Seite als Terrorismus eingestuft. Maïssa ist die Tochter einer Ministerin und früheren PLO-Aktivistin. Sie kann auf die Netzwerke ihres Vaters zurückgreifen.

Nach der Entdeckung eines massiven Vorrats an synthetischen Drogen in Nizza, Jerusalem und den Lagern, wird Capitaine Gabin in die Region entsandt, um eine internationale Schlepperoperation aus einem Flüchtlingslager zu überführen. Unter ständigem Druck und in einem politisch unruhigen Klima müssen sich die israelischen, palästinensischen und französischen Polizisten zusammenschließen, um den Drogenhandel zu bekämpfen und einen Mord aufzuklären. Mit Gabin, Maïssa, Guy und Dany taucht der Autor in eine Welt ein, in der die „Wahrheit“ nützlich sein muss und den Interessen derjenigen zu dienen hat, die sie verkünden.

erscheint Anfang Oktober im Polar Verlag | EUR 22,00

Mein Kommentar: Relativ ungewöhnliches und ziemlich unbekanntes Setting für mich und damit ist die Neugier auf diesen Roman schon groß genug. Liest man sich dann noch kurz die Vita des Autors auf der Verlagshomepage durch (Cover ist zum Verlag verlinkt), hat man den Eindruck, dass dieser Mann vermutlich eine ganze Menge zu erzählen hat. Und dass ich da doch gerne zuhören möchte.

 

 

© Polar Verlag

Gunnar Staalesen – Todesmörder

Klappentext: Varg Veum bekommt Besuch von Cecilie, einer Kollegin aus der Zeit, als sie beide in Bergen beim Jugendamt gearbeitet haben. Sie erzählt von Janegutt, einem Jungen, für den sie damals zuständig waren. Er ist in Oslo auf der Flucht und wird wegen Mordes gesucht. Er steht im Verdacht, seine Pflegeeltern er­schossen zu haben, und hat sich in einer Hütte zusammen mit einem Mädchen verschanzt. Alle gehen von einer Geiselnahme aus. Janegutt verlangt, mit Veum sprechen zu können. Er fährt hin, überredet den Jungen, sich zu ergeben, muss dann aber mitansehen, wie die Polizei die vorher gegebenen Zusagen bricht. Veum ist davon überzeugt, dass Janegutt die Morde nicht begangen hat, kann es aber vorerst nicht beweisen.

In einem zweiten Erzählstrang erzählt Staalesen von früheren Begegnungen. 1970, als Veum beim Jugendamt angestellt war, als er den Jungen aus der Wohnung seiner drogensüchtigen Mutter holte und ihn zuerst in einem Waisenhaus und dann in einer Pflegefamilie unterbrachte.

bereits erschienen im Polar Verlag | EUR 22,00

Mein Kommentar: Eigentlich schon im September erschienen, aber weil es da keine Verlagsschau gab und in diesem Monat die Frankfurter Buchmesse stattfindet, wollte ich den passenden Titel aus dem Polar-Verlag gerne noch hier mit reinnehmen. Passend zum diesjährigen Gastland Norwegen gibt es also auch einen Titel bei Polar und auch wenn ich seit einiger Zeit nur noch recht wenige skandinavische Titel lese (und das nicht mal zwingend absichtlich), schätze ich, dass ich in diesen hier reinlesen werde. Vielleicht sogar ganz andächtig, während alle anderen auf der Buchmesse sind.

 

 

© Diogenes Verlag

Fuminori Nakamura – Der Revolver

Klappentext: In einer Regennacht findet ein junger Mann in den Straßen von Tokio eine Leiche – und neben ihr einen Revolver. Nishikawa nimmt die Waffe an sich und entwickelt schon nach kurzer Zeit eine unheimliche Obsession. All seine Gedanken, sein ganzes Leben kreisen um das perfekte kleine Wunderwerk. Und um die vier Kugeln, die sich noch immer in der Trommel befinden. Irgendwann ist es nicht mehr genug, die Waffe zu besitzen. Er muss sie abfeuern.

bereits erschienen im Diogenes Verlag | EUR 22,00

Mein Kommentar: Nicht erst seit unserem Ostasien-Krimispezial bin ich von Fuminori Nakamuras Schreibstil dezent fasziniert. Bereits 2015 erschien mit »Der Dieb« die erste deutsche Übersetzung des japanischen Autors bei Diogenes, 2018 folgte dann »Die Maske«. Nun liegt mit »Der Revolver« auch das Debüt von Nakamura vor und ich müsste lügen, wenn ich es nicht auch ganz unabhängig vom Inhalt unheimlich spannend finde, gerade nach einem Roman wie »Die Maske«, den ich schon arg gefeiert habe, jetzt an die Anfänge zurückzugehen und zu schauen, wie sich das Erstlingswerk von Fuminori Nakamura liest.

 

 

© Pendragon Verlag

James Lee Burke – Mein Name ist Robicheaux

Klappentext: Dave Robicheaux wacht mit zerschundenen Händen auf. Er kann sich nicht erinnern, was zuvor passiert ist. In der gleichen Nacht wurde der Mann, der Robicheauxs Frau überfahren hat, ermordet. Ihm ist sofort klar, dass man ihn verdächtigen wird. Um sich zu entlasten muss er unbedingt herausfinden, wo er war und was er getan hat. Aber ist Robicheaux wirklich unschuldig?

erscheint am 09.10.2019 im Pendragon Verlag | EUR 22,00

Mein Kommentar: Ich bin mit der Dave-Robicheaux-Reihe noch nicht annähernd so weit, dass ich schon über diesen 21. Band hier nachdenken könnte. Bin erst beim sechsten Teil der Reihe, aber ich lass mich da auch gar nicht hetzen. So hat man immer safe ein paar gute Krimis im Regal stehen, auf die man sich verlässlich freuen kann. Und so wird auch dieser Band in mein Regal wandern, da die Reihe, soweit sie mir bisher bekannt ist, mit zu den besten und lesenswertesten Kriminalliteraturen aus den USA gehört.

 

 

© Splitter Verlag

Cabanes/Manchette – Nada

Klappentext: »Nada«, »Nichts«. Eine sechsköpfige, linksextreme Terrorgruppe, die zu Beginn der 70er Jahre in Paris einen wagemutigen Plan fasst: Sie werden den amerikanischen Botschafter kidnappen. Während er ein einschlägiges Rotlicht-Etablissement besucht, schlagen sie zu. Und es läuft wie am Schnürchen. Doch die Probleme fangen damit erst an, denn sofort beginnt eine gnadenlose Jagd auf die »Anarchisten«. Und das bestenfalls brüchige Bündnis der sechs Aktivisten droht unter dem Druck zu zerbersten.

bereits erschienen im Splitter Verlag | EUR 35,00

Mein Kommentar: Alleine das Cover ist schon so großartig, dass es eine Schande wäre, diesen Comic nicht in der Sammlung zu haben. Noch dazu, wenn es sich um Krimi-Stoff handelt und noch dazu um die Umsetzung eines Romans von dem französischen Autor Jean-Patrick Manchette. Der Roman »Nada« erschien 1972, die Comicumsetzung von dem ebenfalls französischen Comickünstler Max Cabanes 2018 und ist nicht die einzige Adaption Canabes von Manchettes Romanen. Auch »Fatale« und »Blutprinzessin« hat er, gemeinsam mit Doug Headline, bereits in Bildern nacherzählt. Ich freue mich arg auf diesen Noir-Thriller!

 

 

© Reprodukt

Posy Simmonds – Cassandra Darke

Klappentext: Cassandra Darke ist eine Londoner Kunsthändlerin, eine egozentrische, kauzige alte Dame mit Wohnsitz im noblen Chelsea. Nachdem sie unautorisierte Kopien eines verstorbenen Künstlers verkauft hat, fliegen ihre krummen Geschäfte auf: Ihr Ruf und der ihrer Galerie sind ruiniert, doch ihre Überheblichkeit leidet nicht darunter. Als sie der Aktionskünstlerin Nicki für ein paar Monate Unterschlupf unter ihrem Dach gewährt, wird Cassandra nicht nur in einen Mordfall verwickelt, der sie aus ihrer elitären Enklave hinaus in düstere Londoner Gegenden führt, sondern muss auch einige schmerzliche Einsichten über sich selbst ertragen.

Posy Simmonds‘ »Cassandra Darke« ist gesellschaftskritisches Panorama, Generationen übergreifende Komödie und psychologisches Porträt in einem – ein Comic, der seinem Medium alle Ehre macht.

erscheint am 09.10.2019 bei Reprodukt | EUR 24,00

Mein Kommentar: Und noch ein Comic für die Krimisammlung! Die Story klingt schön schräg und und gleichzeitig gehaltvoll und da reibe ich mir schon einmal vorfreudig die Hände. Interessant hier übrigens auch ein Blick in die Leseprobe auf der Verlagshomepage (Buchcover ist dorthin verlinkt), um einen Eindruck vom Stil und der Aufmachung der Seiten zu bekommen.

 

 

2 Kommentare zu “Verlagsschau im Oktober 20.19

  • 10. Oktober 2019 at 12:00
    Permalink

    Ah, wie hab ich sie vermisst! Deine Verlagsschauen!
    Wer weiß, was mir da die letzten Monate für Bücher entgangen sind!?!?!
    Glücklicherweise ist der Argument-Verlag immer auf meinem Radar – so auch mit Sarah Schulman. Bei Burke geht es mir ähnlich wie Dir – ich bin allerdings noch nicht bei Band 6. Aber Eile mit Weile – derweil kann man ja die hübschen Pendragon Ausgaben im Regal sammeln. Eins nach dem anderen. 🙂
    Cassandra Drake finde ich sehr spannend – ich hab mir die Leseprobe angesehen und es ist ja auch, finde ich, ungewöhnlich aufgebaut. Nicht nur Comic, auch mit Textpassagen zwischendrin. Gefällt mir – vor allem Cassandra Drake. 🙂

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  • 11. Oktober 2019 at 21:28
    Permalink

    Hallo,

    warum gibt es jeden Monat so viele interessante Neuerscheinungen? Ich freue mich ja besonders auf “Der Revolver”, aber “Todesmörder” reizt mich zum Beispiel auch.

    Schöne Auswahl!

    LG,
    Mikka

    Reply

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