Miss Marples Krimitipps im September

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In ihrer Kolumne »Miss Marples Krimitipps« schreibt die Buchhändlerin Cornelia Hüppe einmal im Monat ihre aktuellen Krimi-Empfehlungen nieder, erzählt, welche Autoren sie begeistert, welche Geschichten sie fasziniert haben.

Dieses Mal mit dabei: Horst Eckert, Alan Carter und Jack London.


Thriller Wolfsspinne von Horst Eckert
© Wunderlich Verlag

Horst Eckert – Wolfsspinne

GROSSARTIG! So, damit ist alles ausgedrückt!

Nach dem Lesen dieses Buches habe ich mich wieder gefragt, warum dieser für mich beste deutsche Krimiautor nicht in allen Feuilletons, in allen Literatursendungen etc. besprochen wird. Denn zeigt uns nicht gerade Horst Eckert mit seinen Kriminalromanen, wie mit Hilfe dieses Genres die Gesellschaft und die politischen Situationen dem Leser näher gebracht werden?! Sjöwall/Walhöö wurden damals berechtigterweise immer in den höchsten Tönen für ihre genialen Kriminalromane gelobt, doch hat Horst Eckert nicht auch diese Genialität?

Horst schreibt seit vielen Jahren Kriminalromane. Als gelernter Journalist schreibt er über aktuelle politische Themen, baut dabei auch die Polizeiarbeit äußerst realistisch ein und das in einer wunderbaren klaren Sprache. Und nie ist ein Wort zu viel, die Szenenwechsel erfolgen immer im richtigen Moment, nie wird die Geschichte mit endlosen Beschreibungen überfrachtet.

Seit einigen Wochen ist »Wolfsspinn« erhältlich, wieder ein Thriller mit dem grandiosen Kommissar Vincent Veih. In diesem dritten Band wird das brisante Thema NSU aufgegriffen. Zwei Handlungsstränge begleiten den Leser: 2011 in Eisenach geschieht ein Banküberfall, 2 Männer werden in einem Wohnmobil tot aufgefunden, erschossen von einem dritten Mann. 2015 wird in Düsseldorf eine Frau vergewaltigt und anschließend ermordet, Melli Franck. Bei seinen ersten Ermittlungen wird Veih auf eine Spur geschickt, die eher in das Drogenmilieu führt. Doch ihm wird sehr schnell klar, dass auch Nazis verstrickt sind.

Dies beiden Handlungsstränge wechseln sich in einem atemberaubenden Tempo ab. Der Leser will das Buch nicht aus der Hand legen, ach, er kann es auch nicht, der Sog ist viel zu stark! Wie passen diese beiden Handlungen zusammen, wie ist die Lösung? Nach dem Lesen fragt man sich schon, wo war die Fiktion, wo die Realität und die Geschichte lässt einen sehr nachdenklich zurück. Übrigens, ich bin überhaupt keine Freundin von einem Prolog und oft genug lese ich ihn nur mit einem Auge, doch dieser Prolog haut einen vom Sessel!

Chapeau, Horst, du König der Kriminalromane!

Horst Eckert – Wolfsspinne | Wunderlich Verlag | Euro 19,95

 

Kriminalroman Des einen Freud von Alan Carter
© Edition Nautilus

Alan Carter – Des einen Freud

Meine Leidenschaft für australische Krimis lässt sich mittlerweile nicht mehr verbergen. Garry Disher habe ich euch auch aufs Auge gedrückt und seit ich »Prime Cut« von Alan Carter mit seinem Helden Cato Kwong las, habe ich eine neue Liebe gefunden.

Kürzlich erschien der 2. Fall »Des einen Freud« und er gefiel mir sogar noch besser. Die Romane spielen in Westaustralien. Nicht die bekanntesten Schauplätze, hier ist es heiß und diese Hitze spürt der Leser. Man hat die Dürre und den flimmernden Asphalt vor Augen.

Zur Handlung: Angeblich soll Gordon Wellard einen vermissten 15- Jährigen ermordet haben. Kwong nimmt die Spur auf, finden jedoch nicht den vermissten Jungen, sondern einen Schweinekadaver gespickt mit Zimmermannsnägeln. Kurz darauf wird ein toter Restaurantbesitzer gefunden, der sein Schutzgeld nicht bezahlte und kurioserweise hat er ganz ähnliche Nägel im Rücken. Der Täter wird ermittelt, kommt allerdings kurz darauf bei einem Buschbrand ums Leben. Kurz darauf wird Kwong entführt und mit einer Nagelpistole bedroht …

Zur gleichen Zeit muss Lara, Kollegin von Cato, einen Mord an einen Undercover-Cop aufklären, dem nach einem Blowjob die Kehle aufgeschnitten wurde …

Tja, mehr erzähle ich nicht!

Alan Carter – Des einen Freud | Edition Nautilus | Euro 19,90

 

Agententhriller Mord auf Bestellung von Jack London
© Manesse Verlag

Jack London – Mord auf Bestellung

Ein Kunde bestellte dieses Buch bei mir. Ich schaute ihn ungläubig an und meinte: »Jack London und Krimi?« Ja, in der Tat  »Mord auf Bestellung« ist ein unglaublich intelligenter Agententhriller und wurde von Manesse wieder neu aufgelegt.

Ich gebe zu, dieses Buch zu lesen, ist eine Zeitreise in eine völlig andere Welt. Doch von der Idee und dem Plot habe ich in all den Jahren nichts Vergleichbares gelesen! Und ich musste mich erst an das ruhigere Tempo sowie an die Erzählweise gewöhnen, doch dann war es um mich geschehen. Die Geschichte war auch einfach so absurd! Es geht um eine Killeragentur. Diese morden jedoch nur, wenn die angestellten Killer der Ansicht sind, die Morde seien moralisch gerechtfertigt. Doch das Absurde der Geschichte ist, dass der Chef seine Mitarbeiter dazu bringen will, ihn zu töten … Was nun?

Jack London – Mord auf Bestellung | Manesse Verlag | Euro 24,95

 

© Texte verfasst von Cornelia Hüppe


Schaufensterfront Buchhandlung Miss Marple

Die Autorin dieser Kolumne:

Cornelia Hüppe ist die Inhaberin der Berliner Krimibuchhandlung »Miss Marple«. Sie hat nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin BWL studiert, 8 Jahre in dem neuen Beruf gearbeitet und fand es ganz scheußlich. Sie wollte »back to the roots« und eröffnete 2002 die »Miss Marple«.

www.krimi-marple.de

 

6 Kommentare zu “Miss Marples Krimitipps im September

  • 15. September 2016 at 13:19
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    Sehr gute Bücher ausgesucht.Bei Jack London wird der Preis viee abschrecken. Bei Horst Eckert und Alan Carter bin ich ganz deiner Meinung.Also steht Jack London als nächstes an…

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    • 15. September 2016 at 15:26
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      Hallo Manfred!

      Es sind wirklich wieder tolle Bücher dabei, „Wolfsspinne“ habe ich auch bereits gelesen und kann mich Miss Marples Meinung nur anschließen. Von mir gibt es dazu nächste Woche hier auch noch eine ausführliche Besprechung. Und Jack London hat mich auch neugierig gemacht!

      Viele Grüße, Philly

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  • 15. September 2016 at 14:21
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    Ich finde es schön, wenn die Kunden das Geschäft beleben. Während meiner Zeit als Buchhändler haben mir ihre Empfehlungen auch so einige Male das Monatsgehalt gekürzt 😉

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    • 15. September 2016 at 15:27
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      Haha, sehr schön! Ja es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen … 😀

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  • 15. September 2016 at 22:34
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    Das Buch von Jack London steht ganz weit oben auf meiner Wunschliste – jetzt sogar noch mehr 😀

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    • 16. September 2016 at 21:00
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      Ich kenne Jack London nur mit „Wolfsblut“ oder „Ruf der Wildnis“ und natürlich den „Seewolf“, aber so ein Agententhriller, gerade mit dieser Idee, das lockt mich auch.

      Viele liebe Grüße, Philly

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