Kriminell Gelesenes im Februar 20.17

Banner Kriminell Gelesenes Martin Krists Krimikritik

In seiner Kolumne »Kriminell Gelesenes« stellt der Autor Martin Krist regelmäßig zum Monatsende seine aktuellen Lieblingsbücher vor – oder Bücher, die er lieber nicht gelesen hätte.

Dieses Mal mit dabei: Federico Axat, Matteo Strukul und Ian Rankin.


© Atrium Verlag

Federico Axat – Mysterium

Es ist der Tumor, beruhigt sich Ted. Und ja, hat der Arzt ihm nicht erklärt, dass Halluzinationen auftreten können? Wiederholt erwacht Ted dabei, wie er Selbstmord begehen möchte. Mehrmals kommt ihm ein Typ in die Quere, der ihm Zutritt zu einem Selbstmörderzirkel anbietet: Ein Selbstmörder erschießt den nächsten, aber vorher muss er dafür einen ungesühnten Mord rächen. Ted lässt sich darauf ein, doch was hat seine Frau damit zu tun, die ihr Bein auf brutale Weise verliert? Welche Rolle spielt die Veranda seines Hauses, das beinahe im Meer versinkt? Das Auto, das in den Fluten schwimmt? Das merkwürdige Opossum? Das rosa Schloss? Und das Schachbrett? Vor allem das Schachbrett?

Mit jedem neuen Kapitel gestaltet sich Teds Leben rätselhafter – oder ist es am Ende nur ein Traum? Ein Hirngespinst? Oder, noch schlimmer, Wahn? Denn wie seine Therapeutin weiß: »Schach selbst hat etwas Paranoides.« Zweifellos: »Mysterium« ist nicht nur ein verstörender Trip, sondern auch ein abgründiger Blick in eine zutiefst verzweifelte Seele. Und es ist ein verdammt spannender Thriller. Mein Highlight.

Federico Axat – Mysterium | erschienen bei Atrium | Euro 22,00

 

 

cover mila matteo strukul suhrkamp verlag
© Suhrkamp Verlag

Matteo Strukul – Mila

Ich habe mein Problem mit Rachegeschichten, von denen es, zugegeben, auf dem deutschsprachigen Buchmarkt zuletzt eine Vielzahl gab. Und ebenso oft werden dem Leser darin die Opfer und Täter von Anfang an bekanntgemacht, was dazu führt, dass die Geschichten vorhersehbaren Bahnen folgen. Überraschungen? Fehlanzeige. Dass Rachegeschichten durchaus funktionieren können, hat Bernhard Aichner mit seinem Blum-Debüt »Totenfrau« bewiesen: ein mutiger Erzählstil, überzeugende Charaktere – da schaut man dann gerne über eingetretene Plotpfade hinweg.

Bei »Mila« gelingt dies nicht. Was zum einen an Strukuls simpler Sprache liegt, zum anderen an seinen Figuren, für die er zu keinem Zeitpunkt Tiefe erreicht. Wie auch? 200 Seiten sind definitiv zu wenig, um Mitgefühl zu entwickeln für Mila, die unter Einfluß der chinesischen Triade und der verfeindeten Mafia vom unschuldigen Mädchen zur schwertschwingenden Rachegöttin reift. Schade.

Matteo Strukul – Mila | erschienen bei Suhrkamp | Euro 8,99

 

 

© Goldmann Verlag

Ian Rankin – Rebus. Alle Inspector-Rebus-Stories

30 Jahre, seit John Rebus das literarische Licht der Welt erblickte. 30 Jahre, in denen sich der bärbeißige Inspector durch inzwischen 20 Kriminalfälle knurrte. Im März erscheint mit »Ein kalter Ort zum Sterben« sein neuer Fall.

Zuvor gibt es wirklich alle Rebus-Kurzgeschichten, die sein Schöpfer Ian Rankin über die zurückliegenden drei Jahrzehnte verfasst hat, versammelt in einem Ziegelstein von Taschenbuch. Für Rebus-Kenner ist es vielfach ein nostalgischer Blick zurück auf seine Anfangstage als Detective, zugleich aber auch ein erfreuliches Wiedersehen mit alten Bekannten wie dem einstigen Assistenten Brain Holmes sowie der ehemaligen Kollegin Siobhan Clarke, die es zwischenzeitlich selbst zum Detective Inspector geschafft hat.

Für Neuleser dagegen ist die vorliegende Storysammlung die beste Gelegenheit, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen über die Rebus-Schrullen, seinen feinsinnigen Humor, ganz besonders aber über aber seinen scharfsinnigen Verstand. Und natürlich über das einzigartige Talent von Autor Ian Rankin.

Ian Rankin – Rebus | erschienen bei Goldmann | Euro 12,99

 

 

© Texte verfasst von Martin Krist


Autor Martin Krist schwarz/weiß

Der Autor dieser Kolumne:

Martin Krist, geboren 1971, lebt als Schriftsteller in Berlin. Er arbeitete viele Jahre als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Seit 1997 ist er als Schriftsteller tätig. Nach mehr als 30 Sachbüchern, darunter die Biografie über die Hamburger Kiez-Ikone Tattoo-Theo, die Punk-Diva Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido und die Grunge-Ikone Kurt Cobain, schreibt er seit 2005 Krimis und Thriller.

www.martin-krist.de

 

 

4 Kommentare zu “Kriminell Gelesenes im Februar 20.17

  • 2. März 2017 at 12:36
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    Der Wackelkandidat „Mila“ hat hier also schon mal nicht so gut abgschnitten. Viel mehr Meinungen hab ich auch noch nicht dazu gehört. Mal weiter abwarten…

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    • 2. März 2017 at 14:35
      Permalink

      Ja, das überrascht fast nicht, es wäre ja auch zu schön gewesen. Aber ich habe es mir trotzdem gekauft und bin doch sehr gespannt, wie es mir nun letztlich gefällt. Es ist so schön dünn, ich werde dir dann hoffentlich schon bald was sagen können. 🙂

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      • 3. März 2017 at 17:24
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        Wunderbar, dann wart ich mal deine Meinung noch ab 😛

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  • Pingback: Monatsrückblick Februar 2017 - Tommi und die Schmöker

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