Nathan Larson – 2/14

Eine Blog-Leserunde funktioniert ganz ähnlich wie ein Buchklub, nur online und in loser und wechselnder Zusammensetzung. Ob Blogger oder Leser, wer sich einer Leserunde hier spontan anschließen und mitlesen möchte, ist immer herzlich willkommen.

Für diese Leserunde fiel die Wahl auf den Roman »2/14« von Nathan Larson, ein Mix aus Post-Apokalypse, Noir, Science-Fiction, Hardboiled und Dystopie und der Auftakt zu einer Trilogie.


Das Buch:

Nathan Larson 2/14 Diaphanes Verlag14. Februar: Am Valentinstag ist New York durch eine Serie von Anschlägen zerstört worden. Die Bevölkerung ist dezimiert, die Behörden sind korrupt, außer Kontrolle geratene bewaffnete Einheiten haben die Macht übernommen. Dewey Decimal, der letzte Verwalter der New York Public Library, bewahrt Stil und Haltung, auch wenn er bis an die Zähne bewaffnet ist. Er war einmal Soldat, mehr weiß er nicht, denn seine Erinnerung ist manipuliert. Seine Fähigkeiten zu kämpfen und zu töten sind optimiert. Sein Sinn für Gerechtigkeit und seine Neurosen haben System. Und sein Sinn für Sprache und Witz ist ein weiterer Bestandteil seines Waffenarsenals. Als er von der Stadtverwaltung auf eine osteuropäische Gang angesetzt wird, beginnt ein Trip durch die apokalyptische Stadtlandschaft, bei dem sich mafiöse Verstrickungen bis in höchste Regierungskreise offenbaren.

Mit Dewey Decimal werden die Leser in rasantem Tempo durch die Handlung gejagt, als befänden sie sich in einem Ego-Shooter-Szenario, in dem nichts ist, wie es scheint. Eine sprachmächtige, in die Zukunft geworfene Erneuerung des »Noir«.

(Quelle: Diaphanes Verlag)


Die Leseabschnitte:

1. Abschnitt: S. 7–89
2. Abschnitt: S. 90–173
3. Abschnitt: S. 174–255


Die Mitleser:

Christin (life4books)
Michael
meine Wenigkeit


Der Ablauf der Leserunde:

Die Leserunde startet heute, am 06. Dezember hier auf dem Blog, direkt unten im Kommentarbereich. Dort werden wir unsere Leseeindrücke festhalten und uns über das Gelesene austauschen. Jeder liest in seinem Tempo und postet nach jedem Leseabschnitt seine Eindrücke.

Daher vorab eine Spoiler-Warnung: Wer das Buch später noch lesen möchte, sollte sich die Kommentare unter diesem Beitrag nicht anschauen, da wir dort ausführlich über die Inhalte des Romans reden, auch über das Ende!

Wer das Buch bereits kennt, ist herzlichst eingeladen, mitzukommentieren und wie eingangs erwähnt, spontane Mitleser sind uns jederzeit willkommen.

23 Kommentare zu “Nathan Larson – 2/14

  • 17. März 2016 at 13:07
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    Hallo Mitlesende! 🙂 Ich schnapp mir jetzt das Buch und werde die Mittagszeit zum Lesen nutzen, mal schauen, wie weit ich komme. Bei euch alles klar soweit?

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  • 17. März 2016 at 14:34
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    Brain meldet sich zum Dienst! Hab noch nicht gestartet, da ich grad ein extremes Motivationsloch hab…aber das legt sich hoffentlich bald, nach der richtigen Musik 😉

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  • 17. März 2016 at 16:49
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    Motivationslöcher sind ok. Einfach zu nichts zwingen und schon gehen sie wieder. 😀

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  • 17. März 2016 at 17:49
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    Also bei dem letzten Satz auf Seite 88 musste ich direkt ma laut lachen. Welch Ironie des Schicksals 😛

    Ich mag den wirren und zugleich geraden Stil. Dewey hat was an sich, das man ihn direkt mag. Vielleicht liegt es an seiner Arbeitsmoral (Frauen & Kinder) oder seiner schusselig wirkenden Art oder einfach an seinem ganzen Auftreten. Es passt auf jeden Fall.

    Oh, und der Schreibstil ist toll. Er passt perfekt in diese Zeit!

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  • 17. März 2016 at 19:01
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    Korrupt. Korrupt. Hier hat ja jeder Dreck am stecken 😀

    Ich mag den bitteren Humor immer mehr, der hier ständig anwesend ist. Da schmunzelt man öfter, als man es bei den brutalen Handlangern erwarten würd!

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  • 17. März 2016 at 19:30
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    Bin auch mit dem ersten Abschnitt fertig. Liest sich schön flott, der Schreibstil sagt mir auch zu, entspricht gerade dem, was ich zur Zeit gerne lese, nicht zu viel Gerede und vor allem nicht jede Kleinigkeit erklären und ausbreiten.

    Und schön straff erzählt ist die Handlung auch, die Bruchstücke, die die Ereignisse rund um 2/14 erklären, sind immer spannend, so kann man sich nach und nach ein Bild davon machen, was alles passiert ist.

    Dewey ist definitiv kein Profi, dazu unterlaufem ihm zu viele Fehler, besonders bei der Szene im Haus mit der Frau und dem Kind. Aber seine Vergangenheit interessiert mich brennend, er muss der Regierung ja einiges wert sein, wenn er damals in D.C: "verwahrt" wurde und mit diversen Mitteln wieder fit gemacht wurde.

    Was da wohl alles von wahr ist? Gedankenmanipulation? Eingepflanzte Chips? Aber wenn Dewey durch seine PTBS auch paranoid geworden ist, sind das vielleicht nur fixe Ideen von ihm. Spannende Type, mag ich. Bin gerade hoch erfreut, dass es sich um eine Trilogie handelt. Muss auch so ein bisschen an Jason Bourne denken, also in Bezug auf seine Identitätsfrage, der Regierungsbeteiligung und so.

    Dass Dewey erst den Ukrainer für seinen Bezirksstaatsanwalt töten soll oder der Ukrainer ihn nun bittet, seine Frau zu ermorden, gebiert eine gewisse Komik. Wie der typische Auftragskiller kommt mir Dewey nicht vor, und auch nicht wie jemand, der mit so einer Doppel-Auftrags-Nummer zurecht kommt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

    @Kaisu: Wirr kommt mir der Stil irgendwie gar nicht vor. Aber Dewey würde ich auch zumindest ansatzweise als tollpatschig beschreiben. Eben nicht kaltblütig planend, sondern eher ein wenig verpeilt.

    Was meinst Du mit dem Schreibstil, der perfekt in diese Zeit passt?

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  • 17. März 2016 at 20:47
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    Wirr war es wohl für mich, (also nicht verwirrend, sondern eher anders) da ich diesen Stil nicht so oft lese und auch noch gut finde. Meinte das sprunghafte, was aber ja auch gleichzeitig das Tempo vorantreibt 🙂

    Mit dem Schreibstil mein ich eben das sprunghafte. Man hat keinen festen Standort. Die Welt ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Veränderungen und Macht dominieren das Land (zumindest war das mein Eindruck)

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  • 17. März 2016 at 20:49
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    Bin zu flott, merk das schon, aber ich konnt nicht mehr warten 😀
    Was für ein Ende. Dewey ist verwirrt, ich war verwirrt, aber man kam auf einen gemeinsamen Nenner 😛
    Ich fands toll, dass das Tempo jetzt so angezogen wurde und man die wahren (?) Gesichter gesehen hat.
    Wenn ich das richtig gesehn hab, hat Dewey seine Akte zerstört?! Also wissen wir nur das was ihm gesagt wurde?! Mh,… aber es gibt ja noch zwei Bände!

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  • 17. März 2016 at 21:19
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    Ah, so meinst du das "wirr", jup, verstanden! Und mit der Zeit, ebenfalls jup, jetzt verstanden! 😀

    Ja, erstaunlich, dass in der eigentlich recht kurzen Zeit seit 2/14 offenbar global alles zusammengebrochen ist. Februar bis Hochsommer, das sind 6 Monate. Legt nahe, dass die Anschläge und Seuchen und was vielleicht sonst noch alles passiert ist, extrem verheerend waren in ihrem Ausmaß.

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  • 17. März 2016 at 21:59
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    Oh ja! Leider erfährt darüber hier noch nicht so viel, eher über Dewey und den Plastikgeruch – aber laut "Abspann" wird das alles noch nachgeholt 🙂

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  • 17. März 2016 at 23:50
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    Hmm. Ich bin noch nicht so richtig warm geworden mit Buch und Figur. Irgendwie bin ich leicht genervt von der ironischen Attitüde von Dewey, die mir irgendwie unpassend erscheint. Aber vielleicht liegts auch an mir bzw. an dem, was mich sonst noch so beschäftigt im Moment und was nichts mit dem Buch zu tun hat.

    Dann stört mich an vielen Stellen der Stil, den ich letztlich nur für schlechtes Deutsch halten kann. Liegts an der Übersetzung? Dem Lektorat? Ist es gewollt? Keine Ahnung. Ein paar Beispiele:
    "Ich zieh die OP-Handschuhe aus und werf sie auf den Boden. Nehm die Maske ab."
    "Von wo kennen Sie meinen Mann?“
    "Mein Deppenalarm löst sich aus"
    "Ich hoffe, dass Sie kein Hühnerfett drangebracht haben."
    "Ich will Ihnen Beispiel geben."
    Schon über den allerersten Satz bin ich gestolpert: ? Ich kann mir keinen Reim darauf machen, was der Schädel darin für eine Rolle spielt. „Wie ein Querschläger hallt der Knall des Schusses von meinem Schädel im Lesesaal wider und ich wache auf, keuchend und nach den Kapuzengestalten schlagend, die sich mit meinem Schlaf verflüchtigen.“

    Aber nichtsdestotrotz bin ich gespannt, wie es weitergeht und ob ich z.B. eine Antwort auf die Frage bekomme, wieso der Ukrainer Dewey mit dem Mord an seiner Frau beauftragt, wo er ihn doch weder kennt, noch einschätzen, noch vertrauen kann.

    Und noch ein Schmankerl zum Schluss. Ich lese parallel "Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee und bin darin vorhin auf folgende Passage gestoßen:

    »Reg dich nicht auf, Scout«, tröstete er mich. »Unser Lehrer sagt, Miss Caroline führt ’ne neue Lehrmethode ein. Die hat sie im College gelernt, und sie wird bald in allen Klassen angewandt werden. Dann braucht man nicht mehr so viel aus Büchern zu lernen. Wenn du zum Beispiel etwas über Kühe lernen willst, gehst du einfach eine melken, verstehst du?«
    »Ja-a-a … Aber ich will doch gar nichts über Kühe lernen, ich will …«
    »Unsinn, du mußt unbedingt über Kühe Bescheid wissen, weil die für Maycomb County sehr wichtig sind.«
    Ich begnügte mich damit, Jem zu fragen, ob er verrückt geworden sei.
    »Ich versuche doch bloß, dir die neue Methode zu erklären, nach der sie die Anfänger unterrichten, du Dummkopf. Sie heißt ›Dewey-Dezimalsystem‹.«
    Da ich Jems Erläuterungen nie bezweifelte, sah ich keinen Grund, nun damit anzufangen. Das ›Dewey-Dezimalsystem‹ bestand zum Teil darin, daß Miss Caroline vor unseren Augen Karten schwenkte, auf denen ›die‹, ›Katze‹, ›Ratte‹, ›Mann‹ und ›du‹ zu lesen war. Sie schien keinen Kommentar von uns zu erwarten, und die Klasse nahm diese impressionistischen Offenbarungen mit Schweigen auf. Ich langweilte mich und begann, einen Brief an Dill zu schreiben. Dabei ertappte mich Miss Caroline, und sie beauftragte mich, meinem Vater zu sagen, er solle jeden weiteren Unterricht einstellen. »Außerdem«, fügte sie hinzu, »schreiben wir nicht in der ersten Klasse. Wir drucken. Schreiben lernst du erst in der dritten Klasse.«

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  • 18. März 2016 at 20:08
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    @Michael

    Das mit den Sätzen ist mir auch aufgefallen. Ich habe es als "gewollt" abgestempelt, da man auch verschiedene Sprachen spricht und nicht alle perfekt beherrscht.
    Ansonsten ist es schlichtweg der Stil, den ich zunächst als wirr empfand, aber eben passen zum Geschehen finde.

    Wie Dewey auf seinen Namen kommt, wird ja noch erzählt, aber trotzdem schon so einen Zusammenhang zu finden 😀

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  • 19. März 2016 at 0:09
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    Jetzt komme ich so langsam in die Geschichte rein (wird ja auch Zeit), obwohl mich der Slang nach wie vor stört. Es geht schön rasant und abwechslungsreich hin und her. Eine Identifikationsfigur ist Dewey zwar nicht für mich, dafür geht ihm das Töten zu leicht von der Hand, aber das ist mir nicht so wichtig. Interessant ist er allemal, mit seinen Zwangsneurosen und der unklaren Vergangenheit, die viel Potential für die Folgeromane bietet. Schade fand ich das Ableben der vermeintlichen FBI-Agentin Anne, ich dachte, sie könnte sowas wie ein Sidekick werden. Am meisten bin ich jetzt gespannt, was es mit Ms. Shapsko auf sich hat.

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  • 19. März 2016 at 19:22
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    @Michael: Den ersten Satz musste ich auch mehrmals lesen, der Ausklang war aber so schön, dass ich den ersten Teil versucht habe, als poetisch verquer anzusehen. Ich hatte zuerst aber auch an einen Übersetzungsfehler gedacht. Hab gerade mal im englischen Original in den Text geschaut (Leseprobe) und tatsächlich könnte das, was in unserem Text als "Wie ein Querschläger" übersetzt wurde, eigentlich auch im Sinne von "abprallen" gemeint sein, dann würde der Satz nicht so vermurkst klingen wie im deutschen Text. Hm, aber ich mit meinen sparsamen Englischkenntnissen will mir jetzt auch nicht anmaßen, eine Übersetzerin zu kritisieren, die sowas sicherlich tagtäglich macht. Wer weiß, bei solchen Dingen müsste man letztlich das ganze Buch im Original und auf deutsch lesen, um eine Ahnung davon zu bekommen, ob die Übersetzung irgendwie hängt. Aber letztlich hätte auch das Lektorat über diesen ersten Sazz stolpern können, oder?

    "Wer die Nachtigall stört" mochte ich unglaublich gern. 🙂 Vielleicht kam mir daher der Name Dewey so bekannt vor, ich habe nämlich vor dem Lesen gegoogelt, ob das Wort im Englischen eine Bedeutung hat. 😀 😀

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  • 19. März 2016 at 19:32
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    Tut mir leid, dass ich mich gestern gar nicht zu Wort gemeldet habe, aber ich bin nicht zum Lesen gekommen. Und auch heute kaum, aber immerhin bin ich mit dem zweiten Abschnitt noch fertig geworden.

    Hm, ich bin da vermutlich einfach nur pinkelig, aber mich stört ehrlich eine Sache: Der Herr Decimal hat gerade ein frisches Kniegelenk verpasst bekommen, stiefelt inzwischen aber durch halb Brooklyn. Ich bin da sonst nicht so, aber das ist unrealistisch. Ich muss selber schmunzeln, dass ich mich daran aufhänge, aber ganz im Ernst, in der einen Szene eben hat er sich sogar hingehockt, das kann man so kurz nach so einem Eingriff knicken, wirklich, völlig abwegig, das geht nicht. Auch seine Mobilität beim Hinsetzen, Aufstehen, Kämpfen, Schießen, der Rückstoß der Waffen alleine müsste ihn bei einem so instabilen Kniegelenk umreißen. Ehrlich, tut mir leid, aber das gibt bei mir nen dicken Minuspunkt. Hätte er ihm doch einen Schulterdurchschuss links verpasst oder was weiß ich! 😀 😀

    Ansonsten finde ich die Story vom Setting her sehr reizvoll, das ist wohl für mich das Alleinstellungsmerkmal hier, das macht mir Laune. Und die Tatsache, dass man die Details der Zerstörung nach 2/14 immer nur bruchstückhaft erfährt, und keine stundenlange Erklärung geliefert bekommt, das sagt mir auch zu. Es sind nicht zu wenig Infos, sodass man ratlos ist, sondern gerade genau die richtige Dosis um Neugier und Spannung aufrecht zu halten, das gefällt mir auch sehr.

    Mit der Hauptfigur bin ich noch recht neutral unterwegs, ich finde ihn als Figur nicht wirklich neu, der Humor ist mir inzwischen etwas zu abgegriffen, seine Haltung und seine Sprüche auch, aber er macht sich trotzdem als Protagonist ganz gut, weil seine Vergangenheit noch im Verborgenen liegt und so oft, wie das Militär seinen Hintern rettet, scheint er der Regierung oder dem, was davon übrig ist, einiges Wert zu sein. Bin gespannt, was sich dahinter noch verbirgt.

    Dass die FBI-Agentin eben noch erschossen wurde, war in meinen Augen wiederum ein guter Schachzug. Den Schlagabtausch zwischen den beiden Figuren hätte ich mir sonst schon an fünf Fingern abzählen können, denke nicht, dass das die Geschichte bereichert hätte.

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  • 19. März 2016 at 20:09
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    Ahja, das Knie! Genau, das ist mir auch aufgestoßen. Erst dachte ich, er wäre südlich der Hüfte ein Cyborg, was in Anbetracht der ihm offenbar eingepflanzten Erinnerungen ja nicht völlig abwegig erscheint, und dass es ihm deswegen scheinbar so gar nichts ausmacht, aber darauf deutete ansonsten nichts weiter hin.

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  • 19. März 2016 at 20:53
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    Genau darüber habe ich auch gegrübelt, ob er in irgendeiner Form halb Mensch und halb Maschine ist! Aber eben, so richtige Anzeichen gibt es dafür nicht. Vielleicht gibt es im Rahmen der Trilogie noch irgendwann die Überraschung? Würde zumindest erklären, warum ihn die Regierung immer wieder "rettet", vielleicht war er teuer! 😉

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  • 19. März 2016 at 20:57
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    Ja, genau. Er zerstört seine Akte. Aber warum tut er das? Welcher Mensch würde in einer ähnlichen Situation nicht wenigstens mal reinschauen, selbst wenn er davon ausgehen würde, dass der Wahrheitsgehalt mit Vorsicht zu genießen ist? Sehr seltsam.

    Wie schon nach dem zweiten Teil muss ich auch konstatieren, dass mich die Nonchalance, mit der Dewey tötet, ziemlich abstößt.

    Das Storysetting ist die große Stärke des Romans, das hat WortGestalt nach dem zweiten Teil schon schön zusammengefasst, das sehe ich genauso. Das hat dem Buch seine Pageturner-Qualitäten verliehen.

    Was das Sprachliche angeht, so kann ich nur daran anknüpfen, was ich nach dem ersten Teil geschrieben habe. Vor allem der seltsame und inkonsequente Umgang mit Verben in der ersten Person Singular hat mich über das ganze Buch hinweg genervt. Dass das tatsächlich gewollt war, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

    Trotzdem hat es unterm Strich Spaß gemacht, das war das Äquivalent eines auf Special Effects ausgerichteten Popcorn-B-Movies, bei dem man es mit Logik und schauspielerischer Qualität nicht so genau nehmen darf. Dafür hats ordentlich gerummst und gescheppert und es gab nen stolzen Bodycount. Aber ob man sich davon auch noch die Fortsetzung antun muss? Das steht, zumindest für mich, auf einem anderen Blatt.

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  • 20. März 2016 at 13:22
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    Ach verdammt, jetzt ist mein ganzer Kommentar flöten gegangen! 🙁 Also nochmal von vorne:

    Ich kann mich eigentlich weitgehend Michael anschließen und finde die große Stärke des Romans ist die Idee und das Setting, die größte Schwäche die Logik und die Inkonsequenz der Hauptfigur.

    Das Verbrennen seiner Akte halte ich für regelrecht paradox, auch wenn es dramaturgisch von Autor ein netter Schachzug ist. Aber die Figur macht er damit unglaubwürdig. Während des ganzen Romans erwähnt Dewey, dass er nicht weiß, wer er ist, woher er kommt, was er getan hat und ob er seinen Erinnerungen trauen kann. Jetzt hat er die Möglichkeit, zumindest im Ansatz etwas darüber zu erfahren, was ihm passiert ist und nutzt diese nicht? Das glaube ich dem Autor nicht. Genauso wenig nehme ich ihm die Cool-lässige Attitüde ab, die er Dewey verpasst hat, das wirkt aufgesetzt und wie aus einem x-beliebige Film, mir kam es nicht sonderlich authentisch vor. Dann die Geschichte mit der "femme fatale", die ihn mit großen Kulleraugen tragische Geschichten auftischt, ihn für Ihre Zwecke instrumentalisiert und Dewey glaubt ihr brav und zieht dann los um zu töten. Come on. Das geht doch besser. Dazu noch die Geschichte mit dem verletzten Knie und der körperliche Verfassung, seine neurotischen und paranoiden Züge, dann sein Gerede, er würde nur einen Auftrag zum Mord ausführen, wenn er die Gründe kennt, warum derjenige sterben soll, und dann tötet er immer wieder ohne (gute) Gründe zu kennen oder zu haben. Also Dewey als Hauptfigur ist mir insgesamt zu unglaubwürdig.

    Dafür sind aber das Setting und die Idee fantastisch, ich fand das Vorenthalten der Details um 2/14 perfekt und gut durchdacht, im richtigen Maß, das hat Spannung erzeugt. Und die hält bei mir auch an, weswegen ich mir Band 2 vornehmen werde. Die Geschichte ist mir an dieser Stelle noch zu unfertig, um sie aufzugeben, ich will noch herausfinden, ob sich im zweiten Band vielleicht meine kritischen Punkte relativieren und wohin die Geschichte noch will.

    Stilistisch bin ich aber im Endeffekt auch nicht von den Socken, Tempo und knappe Sprache passen zwar gut zum Konzept der Handlung und das mochte ich auch, aber was den Aufbau der Geschichte angeht, war das schon sehr schlicht und ohne große Raffinessen, nicht besonders komplex oder raffiniert.

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  • 21. März 2016 at 1:47
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    Ich bin gedanklich bei dem Ansatz gewesen, den ihr hier zuletzt genannt habt, dass das ein bissl Zukunftstechnik ist. Um das entscheiden zu können, fehlt einem aber das Hintergrundwissen. Denke aber ma, dass das noch aufgeklärt wird.

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  • 21. März 2016 at 1:52
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    Vielleicht hat er ja noch einen Stick von seiner Akte oder einen Hinweis bekommen, wo er die Wahrheit herausbekommt? Wer weiß 😛
    Aber zustimmen muss ich euch schon, very strange!!
    Denke/Hoffe dass da aber noch viele Fragen in den kommenden Bänden aufgeklärt werden.

    Das mit der Frau war auch letztlich das einzige, was mich wirklich gestört hat. Da is er eiskalt, wenns ums abmurksen vom FBI geht, aber ne Frau, die schon wer weiß wen alles umgebracht hat, *klimper* *klimper* da ist er Bei Fuss! … Es könnte bei mir also durchaus sein, dass meine Gesamtwertung bzw mein Gesamteindruck nach unten revidiere, sollte diese "Aufklärung" nicht mehr kommen!

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