Brian K. Vaughan und Cliff Chiang – Paper Girls #1

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Auf die deutsche Übersetzung dieser Comic-Reihe habe ich mit großer Neugier gewartet, warf ihre Veröffentlichung in den USA doch schon lange ihre Schatten über den Ozean voraus.

 

Ausgezeichnet

Die im Oktober 2015 gestartete Serie von, ja, man kann ihn wohl so nennen, Erfolgsautor Brian K. Vaughan und dem Zeichner Cliff Chiang, der durch das Weglassen dieses karrierebeschreibenden Attributs meinerseits nicht minder erfolgreich ist, wurde 2016 mit 2 Eisner-Awards in den Kategorien »Beste neue Serie« und »Bester Zeichner« bedacht.

Von Auszeichnungen dieser Art kann man halten, was man will. Doch der Eisner-Award hat in seiner bald 30-jährigen Geschichte mit zahlreichen Preisen Autoren wie Alan Moore, Neil Gaiman, Garth Ennis oder Ed Brubaker und Künstler wie Frank Miller, Mike Mignola oder Daniel Clowes geehrt. Da darf man ruhig neugierig sein, wenn ein Autor, ein Zeichner, ein Stoff dort für Aufsehen sorgt.

 

Angesprungen

Die Vorfreude auf »Paper Girls« bedingte sich aber auch durch meine Begeisterungsfähigkeit für den Zeichenstil von Cliff Chiang. In der 2011er »Wonder Woman«-Serie mit Autor Brian Azzarello hatte er bei mir einen Sehnerv getroffen, sozusagen. Und so war ich  bei »Paper Girls« über die Zusammenarbeit mit dem Autor Brian K. Vaughan (»Y-The Last Man«, »Saga«), der für durchaus virtuose und komplexe Ideen bekannt ist, erfreut und auf das Resultat gespannt.

Und was war die Freude dann groß. Denn »Paper Girls« sieht sensationell aus, ich bin auf den Farblook voll und ganz angesprungen. Matt Wilson, der bereits bei der oben erwähnten »Wonder Woman«-Reihe die Koloration übernommen hatte, greift auch hier wieder unbeirrt treffsicher in den Farbtopf.

Da hat man schon den Kontext bevor die eigentliche Handlung überhaupt beginnt. Die Farben schreien nach den 80er Jahren, aber ganz ohne dass man sich beschämt abwenden möchte. Sie strahlen diesen behaglichen Retro-Look aus, der unglaublich charmant, vertraut und sehr stimmig wirkt.

 

© Cross Cult
© Cross Cult Verlag
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Abgegangen

Mit der Vertrautheit bricht dann auf ebenso charmante Weise die Handlung. Sie ist auf großartige Weise völlig unzurechnungsfähig. Während am Anfang noch alles nach einer grundsoliden, amerikanischen Kleinstadt-Story aussieht, in der vier Mädchen, die zusammenfinden, weil sie in ihrem Viertel die Zeitungen austragen, sich gegen ältere Jungs, ihre Eltern, gegen Schuldruck und was sonst noch so anfällt, behaupten müssen, zeigt sich rasch, dass in Stony Stream, Ohio, gleich richtig die Post abgehen wird.

Und es ist wahrlich schwer in Worte zu fassen, was hier alles an irren Einfällen und geradezu spektakulären Erscheinungen verarbeitet wurde, ohne dabei sinnlos oder hanebüchen zu wirken. In diesem Buch könnte im Prinzip alles, wirklich alles möglich sein.

Man blättert eine Seite weiter und in der Palette von »Schwein im Weltall« bis »Fliegende Kühe« ist an denkbaren Reaktionen alles drin. Das macht unfassbar viel Spaß beim Lesen, besonders weil Autor Brian K. Vaughan dafür sorgt, dass alles Hand und Fuss und ein gutes Timing hat. Und da sind diese Figuren, die vier Mädchen Erin, Mac, Tiffany und KJ, an denen der Autor sehr nah dran ist und die dafür sorgen, dass man einen stabilen Dreh- und Angelpunkt hat.

 

Aufgegangen

Für mich war dieser Auftaktband ein Comic wie er sein muss. Er war unterhaltsam, er war ideenreich, durchdacht, schnell und sah fantastisch aus. Die Story eint Elemente klassischer Coming-Of-Age-Stoffe mit Science-Fiction und Mystery und hat das 80er-Jahre-Feeling optisch wie emotional auf seiner Seite.

 

bewertung wortgestalt buchblog 5 sterneFazit: Eine, auf großartige Weise, völlig unzurechnungsfähige Story, stimmige Zeichnungen und eine begnadete Kolorierung, dazu der behagliche Retro-Charme, »Paper Girls« genießt völlig zu Recht so einen hohen Beliebtheitsstatus.

Bewertung: 4,6 Punkte = 5 Sterne

Zeichenstil: 5/5 | Idee: 5/5 | Umsetzung: 5/5 | Figuren: 4/5
Plot-Entwicklung: 5/5 | Tempo: 4/5 | Tiefe: 3/5
Komplexität: 5/5 | Lesespaß: 5/5 | = 4,56 Punkte

 

 


© Cross Cult Verlag

Brian K. Vaughan, Cliff Chiang – Paper Girls #1

OT: »Paper Girls Vol. 1« (2016)

Autor: Brian K. Vaughan | Zeichnungen: Cliff Chiang

Übersetzung: Sarah Weissbeck

Cross Cult Verlag | Hardcover | 144 Seiten | 22,00 EUR

Reihe: Paper Girls #01

 

 

2 Kommentare zu “Brian K. Vaughan und Cliff Chiang – Paper Girls #1

  • 15. April 2017 at 19:47
    Permalink

    Das hört sich doch sehr gut an. Das Buch liegt schon bereit, jetzt freue ich mich besonders auf dei Lektüre. Danke für die vorstellung.
    Viele Grüße
    Thomas

    Reply
    • 18. April 2017 at 15:18
      Permalink

      Hallo Thomas!

      Sehr gern, dann wünsche ich besonders viel Vergnügen mit den Zeitungsmädchen! Ich freue mich schon richtig auf den zweiten Band.

      Liebe Grüße!

      Reply

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